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Längst bevölkern etliche Männer den Herd (auch wenn andere dies nach wie vor kategorisch ablehnen), viele achten auf gesunde Ernährung. Und wo gemeinsame Familienmahlzeiten existieren, essen Männer nichts anderes als der Rest der Familie, wenn auch in unterschiedlichen Mengen und Proportionen. Selbst Essstörungen sind kein reines Frauenthema mehr – auch Burschen und junge Männer erkranken zunehmend daran. Welche Unterschiede bestehen also tatsächlich und in welcher Lebensphase? Bei 2- bis 6-jährigen Kindern ist einer Befragung englischer Mütter zufolge der Neophobie – die Scheu, unbekannte Produkte zu kosten – unabhängig vom Geschlecht der Kinder. Vorlieben für Lebensmittelgruppen scheinen hingegen bereits in jungen Jahren genderspezifisch zu sein. Eine Befragung von 4- bis 16-jährigen Kindern bestätigt, dass Mädchen Obst und Gemüse lieber als Buben essen, während letztere fettige und zuckerhältige Produkte, Fleisch und Wurstwaren sowie Eier lieber als ihre weiblichen Peers verzehren. Auch erwachsene Frauen verzehren im Durchschnitt mehr Obst und Gemüse und verzischten eher auf Fleisch. Rohkostfanatiker sind hingegen unter jungen Männern zu finden. Laut österreichischem Ernährungsbericht 2008 beeinflusst der Familienstand 18- bis 65jähriger deren Konsum von Kartoffeln, kohlenhydrathältigen Speisen, Fleisch, Fisch, Salz, Zucker, Kaffee und Junk Food signifikant. Bei Männern scheint der Familienstand einen größeren Einfluss auf das Ernährungsverhalten zu haben als bei Frauen. Beim Konsum von Genussmitteln scheiden sich die Geschlechter ebenso. Frauen trinken sowohl absolut als relativ zur Energiezufuhr weniger Alkohol. „Carving“ – eine Art Heißhunger, der besonders oft mit Schokolade assoziiert ist tritt bei Frauen jedoch häufiger auf. Deutliche Unterschiede gibt es auch im Snacking-Verhalten bei Stress. Ein amerikanisches Forscherteam untersuchte Männer, die durch unlösbare Buchstabenrätsel gestresst waren, im Vergleich zu Männern, welche lösbare Aufgaben erhalten hatten, Allen wurden gesunde und ungesunde Snacks angeboten. Ohne Stress außen die Männer mehr von den ungesunden Produkten – im Gegensatz zu Frauen, die einer vorhergehenden Untersuchung zufolge mehr Süßes bei Stress und mehr Trauben im entspannten zustand verzehrten. Genderspezifische Unterschiede beim Essen sind u. a. gesellschaftlich bedingt – der soziale Druck, einem optischen Idealbild zu entsprechen, ist bei Frauen größer. Der weibliche Heißhunger auf Schokolade mag eine Reaktion auf Restriktion sein. Laut Ernährungsbericht sind bei Erwachsenen (18- bis 65-jährigen) jedenfalls mehr Frauen (4%) als Männer (1%) untergewichtig, sowie weniger Frauen als Männer übergewichtig und adipös. Gender Food ist also kein Mythos – auch wenn das anfangs skizzierte Stereotyp überholt ist und Ergänzungen bedarf. Nicht zuletzt gibt es neben dem Grillen eine weitere Kochtechnik, die männlich zu sein scheint: das Kochen mit flüssigem Stickstoff, der eine Temperatur von ca. 200 oC aufweist und in der molekularen Küche eingesetzt wird. Ist Mann also Koch, dann wird’s doppelt cool, wenn er mit Stickstoff hantiert.
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Quelle: Eva Derndorfer in: Österreichisches Institut für Familienforschung (Hg.): beziehungsweise, November 2009, S 5 Bild: www.pixelio.de, Gsch, 16.11.09
2009-11-19 10:14:48
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