Zum wichtigsten Merkmal eines "Heiligen Hauses der Gottesmutter" gehört, dass es eine maßstabsgetreue Kopie des Hauses in Loreto ist. Daher brauchte man Pläne des Orginals, wofür etliche Baumeisterbüros und Wallfahrer sorgten. Vorlage war der Bauzustand in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Man schickte entweder selber Leute nach Italien, um die Maße und Baubeschreibung zu gewinnen (z.B. Heinrich Langenmantel für die Kapelle auf dem Kobel), oder man brachte sie von Italien mit (z. B. Johann Jacob von Carrara für Reutberg).
In Loreto war die Holzdecke durch ein Tonnengewölbe ersetzt worden. Dieses stützte sich auf die Ummantelung aus Marmor, nicht auf die Mauer selber. Das Gewölbe und der rechteckige Grundriss (9,5 mal 4,1 m innen, Höhe 5 m) sind die wesentlichsten Merkmale der Nachbauten, während die Marmorverkleidung meist nur bei den böhmischen Kapellen kopiert wurde.
Es gibt etliche gedruckte Pläne des Hl. Hauses, angefangen vom ältesten gedruckten des Horatio Morinari von 1606, dem Plan Bachamers von 1625 und etlichen folgenden. Die bekanntesten Pläne sind die in Antonio Lucidis Beschreibung von Loreto aus dem Jahre 1781.
A bezeichnet die Stelle, auf der die vom hl. Evangelisten Lukas angefertigte Zedernholzstatue
Mariens steht; B den Herd; C bezeichnet die Stelle, auf der Maria stand, als der Engel ihr die frohe Botschaft
überbrachte; D bezeichnet denPlatz, an dem die 3 irdenen Gefäße der Jungfrau Maria aufbewahrt und gezeigt wurden;
E bezeichnet den Schrank, in dem Maria die Gerätschaften für den Tisch (Geschirr u. a.) aufbewahrte; F
bezeichnet den Altar, den der hl. Apostel Petrus konsekriert hat und auf dem die Apostel zu zelebrieren pflegten; G zeigt den Stein,
den Siculus 20 Jahre besaß und krank gewesen war seit dem Tag, an dem er ihn bekommen hatte; H bezeichnet den Stein, den der
Bischof dem Cohimbrius von Trient zurückschickte, wo er übrigens sterben sollte; I bezeichnet den Balken der alten
Tür, die nun vermauert ist; K bezeichnet das Fenster, durch das der Engel gabriel in das Haus Marias gekommen ist;
L bezeichnet die Stelle darüber, wo die Apostel das wundertätige Kreuz angebracht haben; M bezeichnet die
Stelle neben dem Weihwasserbrunnen, wo der Engel gestanden ist.
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Das Heilige Haus hat nur ein Fenster, und zwar das (meist vergitterte) "Engelfenster" an der Westwand. Durch dieses ist der Engel Gabriel in das Haus eingetreten. Wenn die Kapelle zu einer Kirche erweitert wurde, wurden meist auch mehrere Fenster ausgebrochen. Zum Glück blieb bei uns die Kapelle original erhalten. Das Fenster, das eigentlich die Lichtquelle sein sollte, führt bei uns aber auf die Empore (Musikempore) und ist mit einer Eisentüre verschließbar. Diese Empore hat einen eigenen Zugang von außen. Über dem Fenster befindet sich das Tafelkreuz nach mittelitalienischem Vorbild das von den Aposteln stammen soll. Es war ursprünglich mit Schlaggold vergoldet und wurde bei der letzten Restaurierung wieder mit echtem Gold versehen.
Auf dem rotbraunen Ziegelmauerwerk wurden oft auch Freskenreste nachgebildet. Meistens sind Bilder der Eltern Mariens, Joachim und Anna, sowie des Täufers Johannes dargestellt.
Der Altar ist deutlich von der Wand abgerückt und frei stehend. Er ist vom hl. Petrus konsekriert worden. Auf ihm haben die Apostel zelebriert, wenn sie bei Maria waren.
Das Herzstück in der Loreto-Kapelle ist die schwarze Muttergottes in einer erhöhten Nische in der Rückwand (auf die man "nach vorne" schaut). Die Statue in Loreto selber ist 1921 einem Brand zum Opfer gefallen und durch eine Nachbildung ersetzt worden. Die alte "statua cedrina" galt als Werk des hl. Lukas.
Unter der Nische ist der Santo Camino, der Herd. in ihm befindet sich ein Opferstock vom Steinmetzmeister Jacob Endl von Griesbach aus dem Jahre 1749
Eine weitere Rundbogennische an der Nordwand, der "Santo Armario", galt als der Geschirrschrank. In diese Nische ist gelegentlich später ein Tabernakel eingefügt worden. Zum festen ikonografischen Programm des heiligen Hauses, "in qua Verbum caro factum est" [in dem das Wort Fleisch geworden ist], gehört die Darstellung der Verkündigung. Sie ist bei uns im geschnitzten und vergoldeten Relief der Tabernakeltür dargestellt.
Rechts neben dem Santo Armario ist die Stelle, "ubi Beata Maria orabat, quando est ad eam Angelus ingressus" [wo Maria betete, als der Engel bei ihr eintrat]. Diagonal gegenüber liegt die Stelle, "in illo angulo ... constit Angelus" [die Ecke, in der der Engel stand]. In Angerbach sind diese Orte mit Inschriftentafeln gekennzeichnet.
Holzteile und Löcher in den Wänden kennzeichnen weitere Armarii. Im rechts neben dem Altar befindlichen vergitterten Hohlraum befinden sich bei uns Reliquien (Mauerteile) der Santa Casa und die Altarreliquien des Martinsaltares (der Heiligen Kandidus, Liberata und Lucida). Neben den beiden hinteren Türen befindet sich je ein Opferstock. Über dem Opferstock bei der hinteren Tür der Südseite, neben diesem Opferstock und in der Wand an der Westseite befindet sich je ein Marmorstein, auch "Augenstein" genannt, vermutlich Steine aus der Gegend von Loreto in Italien, die als Reliquie die Verbindung zum Original herstellen sollen. Wie bei Wallfahrten üblich, berührte man diese Reliquien mit der Hand und übertrug ihre Kraft dann auf Stirn, Augen, Mund und Herz.
Die Kapelle hat drei Türen: die zwei einander gegenüber liegenden Türen für die Pilger und die dritte Tür für den Priester. Diese Holztüren waren einst mit schönen Zeichnungen in schwarzer Farbe auf Schlaggoldgrund bemalt. Durch die starke Oxidation des Schlaggoldes sind Goldglanz und Malerei praktisch unsichtbar geworden.
Die Gitter, die als unverzichtbares Attribut einer Loretokapelle auch bei uns einmal das Sanctuarium, den heiligen Raum hinter dem Altar, abgetrennt haben, sind seit unbekannter Zeit nicht mehr vorhanden. Weil jeder Hinweis auf das Original fehlt, wurden bei der Restaurierung keine mehr eingefügt.