Weil der Gegenstand der Verehrung nicht so sehr eine Marienstatue, sondern das Haus Mariens selber war, lag es nahe, dass man nicht bloß Kopien der Statue von den Fahrten mitbrachte, sondern trachtete, das Haus selber zu kopieren. Den Brauch der Kopie kannte man von den Kopien der Grabeskirche Jerusalems, die bereits üblich waren. Erzherzog Ferdinand hatte noch 1583 in Saggan bei Innsbruck eine Grabkapelle und 1589 in Thaur (Haller Au) bereits eine Loretokapelle errichten lassen. Der Nachbau war wegen der geringen Größe des Originals (Länge 9,5 m; Breite 4,1 m; Traufenhöhe 5 m) nicht schwierig.
1622 war im nahen Thyrnau in Bayern von Urban, Freiherrn von Schätzl, eine Loretokapelle errichtet worden. Auf deren Außenwand war nach dem Vorbild der Marmorummantelung der Kapelle auf den Hradschin in Prag die Ummantelung des Heiligen Hauses von Loreto aufgemalt. In Bayern waren zu der Zeit viele solcher Kapellen entstanden (auf dem Kobel, auf dem Reutberg, Kloster Holzen, Rosenheim, Berg am Laim, Ramsau, Altdorf, Marwang, Ingolstadt, Reichenhall, Stadtamhof, Effeldorf, Freising-St.Veit, Neuburg, Angerbach, Bühl, Hurlach, Hack, Eixelberg, Dingolfing, Neustadt an der Waldnaab). Selbst der große Krieg verhinderte kaum das Entstehen der Kapellen. Einer der Gründe für die vielen Kapellen in Bayern liegt im Wirken des Volksmissionars Wilhelm von Gumppenberg SJ und seinem Atlas Marianus. Weitere Bücher zum Thema waren das Lauretanum Mariale von Laurentius Lemmer in Würzburg (eine Predigt- und Exempelsammlung zu den Anrufungen der Lauretanischen Litanei 1687) und die Elogia Mariana ex Litaniis Laurentanis des Isaac von Ochsenfurt (Augsburg 1700, 1703 in Würzburg in Deutsch). Bis 1705 wurden in Bayern weitere zwölf Kapellen errichtet.
Im Zuge dieser Begeisterung im ausgehenden 17. Jahrhundert ist auch die Pfarrkirchner Kapelle entstanden. Dass der bayrische Einfluss maßgeblich gewesen ist, geht aus der Verbindung der Elisabeth Thurner von Bruckberg, geb. Freiin von und zu Salburg auf Falkenstein mit dem Loreto in Landshut hervor. Nach dem Tod seiner Frau Maria von Kading zu Schönhöring ließ sich Friedrich Eckher von Kapfing in Rom zum Priester weihen. Auf der Rückreise besuchte er Loreto und brachte ein Gnadenbild mit, das nach Michael Wenig auch in dem Heil. Hauß Loretho an dem Gnadenbild angerührt worden. Von Loreto nahm er auch das Privileg mit, in einer Kapellen-Kopie zelebrieren zu dürfen. Nach seiner Rückkehr trat Eckher in den Kapuzinerorden ein und verkaufte sein Wohnhaus samt der Kapelle an die bereits erwähnte Elisabeth Thurner, damit sie dort ein Frauenkloster gründe. Am 14. Mai 1627 wurde die Erlaubnis zur Klostergründung erteilt. 1629 erhielt dieses Kloster Reutberg, wo bei der Loretokapelle ein Kloster für Kapuzinertertiarinnen gegründet worden war, den Auftrag, zwei Schwestern zur Gründung des Klosters nach Landshut zu entsenden. Das dort errichtete Loreto-Kloster war auch das Ziel von Pilgern aus dem höchsten Adel. 1671 wurde die dortige Loretokapelle neu gebaut. Heute findet sich nur noch die Loreto-Madonna. Die Verbindung der Stifterin mit den Salburgern auf Falkenstein und Altenhof kann sehr wohl die Loreto-Idee auch bei uns zum Bau einer Kapelle geführt haben.
Mit ziemlicher Sicherheit kann man sagen, dass Pfarrkirchen kein Wallfahrtsort im herkömmlichen Sinne gewesen ist. Wohl gibt es viele Prozessionen aus den umliegenden Orten nach Pfarrkirchen, und die Pfarrkirchner gingen selber gerne wiederum in diese Orte. Eine Wallfahrt über den engen Umkreis der Kirche hinaus ist jedoch nicht feststellbar. In den Kirchenrechnungen der Jahre 1677 und 1678 wird zwar ein "Gnadenbild" erwähnt. Leider fehlen alle näheren Angaben darüber, was damit gemeint gewesen sein könnte. Die genannte Aufrichtung eines Kastens und einer Muschel auf dem Hochaltar betreffen wohl den Schrein des hl. Prosper. Vielleicht befand sich vor der Erbauung der Loreotkapelle schon ein Marienbild in der Kapelle. Wäre es ein Wallfahrtsziel gewesen, hätte man es gewiss nicht entfernt.
In der Liturgie ist vor allem die Lauretanische Litanei mit Loreto verbunden. Das Fest der zweiten Übertragung des hl. Hauses von Tersatto nach Italien wird am 10. Dezember gefeiert. In unserer Pfarre hat sich noch der Brauch erhalten, nach der Feier der Sonntagsmesse in der Pfarrkirche zu einem Gebet in die Loreto-Kapelle zu gehen und eine Kerze zu Ehren Mariens zu entzünden.