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Diözesanbischof Dr. h.c. Maximilian
Aichern OSB hat im Zeitraum von 1982 bis 1993 alle 482 Pfarren sowie die
Seelsorgestellen der Diözese Linz
erstmals auch im Rahmen einer sogenannten kanonischen Visitation besucht.
Aus diesem Anlass hat der Bischof in den Pfarren nach Möglichkeit alle
kirchlichen Einrichtungen besucht. In Gesprächen ist er den Verantwortlichen in der
Pfarre, den pfarrlichen Gremien und Mitarbeitern/Innen begegnet. Besuche in den
Bildungsstätten (Kindergärten, Religionslehrer), Krankenanstalten (Orden) und Hospizen
sowie der Kontakt zu den kommunalen Vertretern und der Arbeitswelt in den Betrieben
ermöglichten sehr persönliche Begegnungen.
In der Vorbereitungsphase der Pfarrvisitationen haben die diözesanen
Einrichtungen und Stellen, der Dechant des Dekanates sowie der jeweilige Pfarrer und die
Leiter/Innen der pfarrlichen Aktivisten auch schriftlich über die Situation berichtet.
Die erste Visitation in unserer Diözese führte Bischof Maximilian Aichern in die Benediktinerpfarre
Sattledt (Kremsmünster), die letzte in dieser ersten "Visitationsrunde" war
Schwanenstadt.
Die oben genannten Berichte und die persönlichen Bemerkungen des
Diözesanbischofs fließen in die Visitationsberichte ("Visitationsrezesse")
ein.
Diözesanbischof Maximilian Aichern hat darüber hinaus zu mehr als 400
Pfarrkirchen auch seine kunstgeschichtlich pastoralen Eindrücke formuliert. Die in
knappen Strichen ausgeführte Würdigung des kirchlichen Bauschaffens in unserer Diözese
ist in dieser Form einmalig in Österreich.
Sie sind eine ansprechende Einladung an alle Besucher unserer Kirchen,
an die Gottesdienstgemeinschaften und an die Verantwortlichen in den Pfarren, die
religiöse Botschaft der Kunst sehr bewusst zu sehen.
Pressestelle der Diözese Linz
Textbeispiele
Kirchschlag b. L. (Dek. Gallneukirchen) Visitation:
13. Jänner 1986
Die jetzige einschiffige Kirche zur hl. Anna wurde um die Mitte des
17. Jahrhunderts als Filialkirche von Hellmonsödt errichtet. Ab 1822 wirkte ein
eigener Seelsorger in Kirchschlag. 1920 wurde Kirchschlag politische Gemeinde, 1941
Pfarrexpositur und 1966 Pfarre. Da das Gotteshaus räumlich zu klein war, wurde es durch
einen modernen Zubau vergrößert. Der alte barocke Hochaltar mit dem Altarbild "St.
Anna" paßt gut in den Zubau; auffällig sind am Altar die schönen barocken Statuen
der Heiligen Heinrich und Kunigunde.
Der Friedhof liegt in der Nähe am Waldrand, und ist durch die
schmiedeeisernen Grabkreuze sehr würdig.
Im alten Bad-Haus wurde eine Kapelle angebaut und 1761 geweiht. Der
Rokoko-Altar besitzt ein schönes Altarbild mit dem hl. Kaiser Heinrich, später wurde
dieser Altar zu einem Loretto-Altar umgestaltet; fallweise finden hl. Messen statt.
Im Pfarrgebiet befindet sich eine Anzahl kleinerer Kapellen bei
Häusern neben den Wegen. Eine neu errichtete der Familie Kaineder konnte ich weihen. Bei
den Hauskapellen finden u.a. die Maiandachten statt.
Ruine und Schloss Wildberg im Haselgraben liegen zwar in der
Mutterpfarre Hellmonsödt, doch verläuft gleich oberhalb des Schlosses die Pfarrgrenze zu
Kirchschlag. Die Burg Wildberg wird urkundlich schon im 12. Jahrhundert genannt und die
Wildberger kontrollierten die Straße, die von Linz in Richtung Prag führte. Die Besitzer
hatten eine eigene Gruft in der Pfarrkirche Hellmonsödt. In der auslaufenden Barockzeit
verfiel die Burg, das daneben erbaute Schloss ist heute im Besitz der Familie Starhemberg
und dient kulturellen Veranstaltungen. Ruine und Schloss strahlen Geschichte aus und geben
eine romantische Atmosphäre.
Kremsmünster (Dek. Kremsmünster) Visitation:
1./2./4./7. Dezember 1988
Die der Benediktinerabtei Kremsmünster (gegründet 777) inkorporierte
Pfarre ist sehr alt. Bis zum Josefinismus war Kirchberg die Pfarrkirche, seither ist es
die Stiftskirche.
Die sehr schöne barocke Stifts- und Pfarrkirche zum Allerheiligsten
Erlöser, die ihre Ursprünge in das Mittelalter zurückführt, wurde innen und außen
anlässlich des 1200-Jahr-Jubiläums des Stiftes restauriert. Die heutige Kaplaneikirche
Kirchberg (hl. Stephanus) ist eine überaus ansprechende Rokokokirche, der Friedhof liegt
um die Kirche. Dieser Friedhof und der Friedhof in Kremsmünster samt Totenhalle sind im
Eigentum der Pfarre bzw. des Stiftes. Die verstorbenen Mitbrüder ruhen zum Teil am
Friedhof in Kremsmünster, zum Teil am Friedhof in der Klausur neben der Stiftskirche, zum
Teil in der Gruft.
Die barocke Kalvarienbergkirche zum gekreuzigten Herrn, zu welcher ein
Kreuzweg führt, liegt markant am Hügel gegenüber dem Stift. Fallweise wird zelebriert.
Die Marktfilialkirche (St. Johannes Bapt.) wurde erst kürzlich außen
und innen renoviert. Die barocke Filial- und Wallfahrtskirche Heiligenkreuz bei
Kremsmünster ist ein herrlicher Carlone-Bau, errichtet durch das Stift anläßlich des
900jährigen Jubiläums.
Im Bezirksaltenheim ist eine moderne, einfache Kapelle. In der privaten
Schlosskapelle in Kremsegg (Maria Himmelskönigin) wird zweimal jährlich zelebriert. Im
Stiftsbereich befinden sich noch einige bestens umsorgte Kapellen, besonders die
Studentenkapelle Mariä Vermählung aus dem Barock. Diese unterstehen alle der
Jurisdiktion des Abtes.
Im Exerzitienhaus Subiaco wurde eine neue Kapelle errichtet und von mir
zusammen mit dem erweiterten Haus vor einigen Jahren geweiht. Die neue Kapelle, wie
überhaupt das adaptierte Exerzitienhaus hat eine gute Atmosphäre vom baulichen, von der
Lage und von der Betreuung durch die Schwestern her und wird diözesan und überdiözesan
sehr gerne angenommen. Auch die österreichischen Bischöfe haben hier vor allem mit den
Verantwortlichen des Laienapostolates schon mehrmals getagt. Die alte Kapelle wurde zu
einem Meditationsraum umgestaltet. In der alten Kapelle wurde ich 1978 zum Abtpräses der
Österreichischen Benediktinerkongregation gewählt, Abt Albert Bruckmayr von
Kremsmünster wurde damals 1. Assistent der Kongregation.
Im Pfarrbereich befinden sich viele kleine private Gebetskapellen. Erst
kürzlich wurde eine neue Kapelle in Krühub von der Bevölkerung errichtet und von Abt
Oddo Bergmair geweiht.
Raab (Dek. Andorf) Visitation: 7./10. Februar 1985
Die Pfarrkirche zum hl. Michael ist eine gotische Anlage, die im Barock
erweitert und mit reichem Rokoko-Stuck verziert wurde. Die sehr gefälligen Altäre und
die Kanzel stammen aus der Maria-Theresien-Zeit. Im Erdgeschoß des mächtigen gotischen
Turmes (mit Zeltdach) ist die Sakristei untergebracht.
1981/1982 wurde das angekaufte Brauereigebäude im Markt zu einem
Pfarrzentrum umgebaut (Pfarrhof und Pfarrheim) und von mir am 15. Mai 1983 gesegnet.
Dieses Pfarrzentrum entspricht voll und ganz heutigen seelsorglichen Erfordernissen. Der
alte Pfarrhof, ein mächtiges Herrschaftsgebäude aus der Maria-Theresien-Zeit mit sehr
schönen Stukkaturen wurde verkauft.
Der Friedhof liegt von der Kirche nicht weit entfernt, ist ihr
Eigentum. Die Totenhalle gehört der Gemeinde.
Die Kirche Maria Bründl (Patrozinium Mariä Heimsuchung) ist eine
einschiffige, einfache und doch sehr schöne Wallfahrtsstätte aus der Barockzeit. Die
Altäre sind aus Stuckmarmor. Das Benefizium ist eine adelige Stiftung ebenfalls aus dem
Barock. Der Ursprung ist eine tiefer liegende, über viele Steinstufen erreichbare, kleine
Gnadenkapelle mit Gnadenbild und Brunnen (früher Heilquelle); die älteste Votivtafel ist
aus dem Jahr 1656. Daneben steht das einstige Badhaus.
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