Erinnerung ist nicht fertig. Dies gilt für Erfahrungen des Glücks oder
der Befreiung, die in Situationen der Verzweiflung, des Exils und der Knechtschaft zum
Anker der Hoffnung werden können. Auch die Erinnerung an das Grauen, an die Barbarei, an
die Perversion des Menschlichen in der Zeit des Nationalsozialismus ist nicht
abgeschlossen. Diese Erinnerung kann nicht nur das "Geheimnis der Erlösung",
sondern auch der Nährboden für Hass und Verachtung, für die Vergiftung des Denkens und
die Verhexung von Beziehungen sein.
Der vorliegende Band bietet einen Einblick in die Entwicklung und in die
historische Bedeutung vor allem der "Nebenlager" von Mauthausen "Gusen l,
II und III, der Euthanasie- und Vernichtungsanstalt Hartheim sowie in das Leben und die
Rezeption Franz Jägerstätters, der den Nationalsozialisten von Anfang an jede
Unterstützung verweigerte.
Ein Nach-Denken im Angesicht von Mauthausen-Gusen und Hartheim hält die
letzten Fragen nach dem Wert und Unwert des Menschen, die Frage nach dem Bösen offen und
es ruft diese Fragen wach. Was heißt es, die Geschehnisse in den Konzentrationslagern,
den Vernichtungsanstalten und im Krieg im Angesicht Gottes zu bedenken? Kritisch werden
Kategorien wie Betroffenheit, Bewältigung oder Entschuldigung beleuchtet.