|
<- zurück
zu den Biografien | zur Zeittafel
->
Gregorius Thomas Ziegler (1770-1852)
Bischof von Linz
Keiner der Bischöfe von Linz in der Frühzeit des Bistums hatte eine
so intensive Gelegenheit, seine künftige Diözese kennenzulernen wie Gregorius Thomas
Ziegler (geb. 7. März 1770). Den Grund dafür bildeten keineswegs strategische
Überlegungen "höheren Orts", vielmehr kam der aus Kirchheim a. d. Mindel (bei
Augsburg) gebürtige im Zuge einer Odyssee auch nach Linz. Sein Wunsch, als Benediktiner
im Stift Wiblingen bzw. im universitären Umfeld in Freiburg im Breisgau und Konstanz zu
wirken, wurde ihm bald versagt. Als 31jähriger hatte P. Gregor das Priorat in seinem
Kloster unmittelbar vor dessen Säkularisation zu übernehmen (Aufhebung 1806).
Ziegler verließ notgedrungen mit einem Teil seiner Ordensbrüder die
Heimat und ging, der Einladung des Kaisers folgend, nach Tyniec bzw. Krakau (1806 - 1810).
Sie konnten sich allerdings in der dortigen Benediktinerabtei aus nationalen und
politischen Gründen nicht halten.
Als ihm der Kaiser 1810 die Lehrkanzel für Kirchengeschichte in Linz
übertrug, wirkte die keineswegs josephinisch ausgerichtete Persönlichkeitsstruktur
Zieglers im hiesigen Lehrkörper fast zwangsläufig wie die eines Fremdlings. Ziegler soll
sogar der einzige Professor gewesen sein, der hier "rein katholische Lehre"
vortrug. Bischof Sigismund Ernst von Hohenwart (1811/1815 1825) mahnte Ziegler, die
Kirchengeschichte "mit weiser Mäßigung, mit Würde und Pietät" vorzutragen
und ermunterte ihn, ein Lehrbuch für die Vorlesungen auszuarbeiten, mußte aber das
staatlich dekretierte Lehrbuch der Kirchengeschichte (von Matthias Dannenmayer) verwenden,
das auf dem römischen Index der verbotenen Bücher stand. Doch auch Linz war zunächst
nur Durchgangsstation, denn nach vergeblichen Bewerbungen Zieglers um die Professur in
Moral (1811) und in Kirchengeschichte (1812) in Wien berief ihn Kaiser Franz I. 1815 an
die Lehrkanzel für Dogmatik der Wiener Universität. Beim Abschied aus Linz ernannte
Bischof Hohenwart Professor Ziegler zum Konsistorialrat.
Als ihn Kaiser Franz I. 1822 zum Bischof der neu errichteten Diözese
Tyniec-Tarnow in Galizien berief, folgte der habsburgertreue
"Vorderösterreicher" - wenn die Rede auf einen Prinzen oder auf sein Kaiserhaus
kam, erhob er segnend die Hand - auch diesem Wunsch, obwohl dort alle grundlegenden
Voraussetzungen für einen Bischofssitz erst eingerichtet werden mußten. Auch in Hinblick
auf die fehlende örtliche Sprachkenntnis - die wichtigsten Hirtenschreiben erflossen
deshalb in Zieglers geläufiger lateinischer Sprache und in polnischer Übersetzung
dürfte er die Versetzung an den Linzer Bischofsstuhl "als Beförderung"
empfunden haben. Selbst seine "Erfahrungen" als Professor für Kirchengeschichte
hielten ihn offensichtlich nicht ab, nach Linz zu gehen.
Obwohl er 1821 durch Päpstliches Reskript in den Weltpriesterstand
versetzt wurde, firmierte er weiterhin auch mit seinem Ordensnamen Gregorius.
1827 als Bischof von Linz bestellt, bereitete ihm der Kapitelvikar (und
ebenfalls Bischofskandidat) Franz Xaver Ertl - über ihn bemerkte der Wiener Erzbischof
Milde, "er (Ertl) hatte in frühen Jahren zu viel Ruhm als daß er sich beschränken
und fügen gelehrt hätte" - einen enttäuschenden Empfang. Die bischöfliche
Residenz befand sich nach zweijähriger Vakanz des Bistums in einem verwahrlosten Zustand.
Die weiten Räume standen leer, die Wohnzimmer waren ohne Einrichtung, der große Saal
über der Einfahrt entbehrte des Fußbodens und diente als Holzlage. Im Bischofshof,
seinem künftigen Wohn- und Amtssitz, war also schlichtweg nichts gerichtet, zudem war die
Dotationsfrage nicht definitiv geklärt.
Auch der hiesige Umgang mit dem josephinischen Toleranzpatent war nicht
auf Ziegler zugeschnitten. Daß er die Visitationsberichte an den Kaiser (bis 1834), auch
mit literarisch bemerkenswerten Exkursionen versehen, nach einer bürokratischen
Beanstandung einstellte, zeigten sowohl Zieglers Begabung als auch sein Temperament auf.
Der Ausbau des Linzer Priesterseminars (1831) und in späteren Jahren
die zumindest ansatzweise Gründung eines Knabenseminars in Linz und schließlich dessen
Errichtung bei den Jesuiten auf dem Freinberg (1851) waren gelungen. Der ursprüngliche
Plan, in Garsten ein Knabenseminar zu errichten, hatte sich zerschlagen, weil der Staat
die Hauptgebäude des ehemaligen Stiftes Garsten zur Schaffung einer Strafanstalt
übernommen hatte (1850). Die Förderung der Priesterausbildung sowie die Errichtung von
klösterlichen Niederlassungen in seiner Diözese (auch die Unterstützung und Förderung
neuer Gründungen in Übersee (USA, Australien)), wobei ihm private Stiftungen oft den Weg
bereiteten, dokumentieren Zieglers erfolgreiche restaurative Maßnahmen in der Spätphase
des Josephinismus. Das "System" konnte erst gegen Ende der Amtszeit Zieglers
überwunden werden. Die politisch kaum goutierte, aber ungeheuer erfolgreiche Volksmission
in der Stadt Linz (1850) ist ein beredtes Zeichen hiefür. Die neuerliche Verschränkung
von Kirche und Staat (Konkordat 1855) hatte Bischof Ziegler nicht mehr erlebt.
Bischof Ziegler hatte nie die visitatio ad limina (den offiziellen
Besuch der Bischöfe in Rom) gemacht, diese war bekanntlich den österreichischen
Bischöfen von der Regierung untersagt. Als diese jedoch möglich geworden wäre (nach
1848), war er aus gesundheitlichen Gründen dazu nicht mehr in der Lage. Auch die
neukonstituierten Bischofskonferenzen, bereits 1831 hatte er bischöfliche Versammlungen
angeregt, konnte er nicht mehr besuchen. Bei den Versammlungen in Wien (ab 1849) hatte der
Domherr Dr. Franz Rieder seinen Bischof vertreten.
Die ab der Mitte der 40iger Jahre fortschreitende Erblindung, 1849
mußte sich Ziegler einer schweren Augenoperation unterziehen, schränkte die Kontakte des
Bischofs merklich ein. Ja, der Wiener Erzbischof klagte, daß man ihm keinerlei
vertrauliche Briefe senden könne, da davon viele Unberufene Kenntnis erhielten.
Den (letzten) Hirtenbrief für das Jahr 1852 diktierte der Bischof
"im Vorgefühl des nahen Todes". Im Rückblick auf sein bischöfliches Wirken
vermerkte er, daß er die ganze Diözese visitiert und überall gefirmt hatte. In den
Mittelpunkt des Hirtenschreibens stellte er die drei göttlichen Tugenden. Es wurde sein
Abschiedswort. Dieses sowie seine 1850 publizierte Schrift "Der Glaube an Gottes Wort
bahnt den einzig sicheren Weg in den Himmel" und die "Verba salutis", die
er 1843 als Jubelpriester an seinen Klerus gerichtet hatte, zählen zum "geistlichen
Testament" des Bischof Ziegler.
In seinem ausführlichen "materiellen" Testament setzte er
Domkirche und Knabenseminar zu Universalerben ein. Mit einer ansehnlichen Zahl von Legaten
wurden das Priesterseminar, Klöster, Caritasanstalten und auswärtige Missionen bedacht,
seine ansehnliche Bibliothek (darunter auch die zeitgenössische Ausgabe der Confessio
Augustana) und die Einrichtung des Bischofshofes, die er erst beschaffen mußte, auch die
bischöfliche Gala-Kutsche, die beim Domweihefest 1924 letztmals zum Einsatz kam, zählten
dazu.
Bischof Ziegler wurde in der Gruft des Alten Domes, das Herz nach einer
testamentarischen Verfügung in einer Kupferurne in der Gruft des ehemaligen
Benediktinerstiftes Gleink beigesetzt.
|