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Ferdinand Weinberger (1896-1981)
Generalvikar der Diözese Linz
Ferdinand Weinberger kam am 23. Mai 1896 in Leonding als Sohn eines
Bauern zur Welt. Nach dem Besuch der Volksschule in Leonding kam er 1909 über Vermittlung
von Prälat Josef Kolda an das bischöfliche Knabenseminar Kollegium Petrinum. Zu Beginn
der siebten Klasse, im Herbst 1915, rückte er als einjährig Freiwilliger zum
Militärdienst ein, absolvierte die Offiziersschule in Steyr und die Frontoffiziersschule
in St. Peter in Krain. Von Herbst 1916 bis Sommer 1917 war er an der italienischen Front.
Im Sommer 1917 konnte er während eines Fronturlaubes die Matura ablegen. Nach Kriegsende
trat Weinberger 1918 ins Linzer Priesterseminar ein. Die Priesterweihe wurde ihm am 29.
Juni 1922 in Linz erteilt. Mit 1. August 1922 erhielt er den Posten eines Kooperators
in Scharten, mit 1. Dezember 1922 den eines Kooperators in Hartkirchen. Am 15.
Jänner 1925 bestellte Bischof Johannes Maria Gföllner Weinberger zum 2.
Ordinariatssekretär. Gleichzeitig versah er auch das Amt eines Notars des Kirchlichen
Gerichts. Am 15. April 1933 wurde er 1. Ordinariatssekretär und mit 1. Mai 1936
Kanzleidirektor. Die ganzen Jahre versah er auch den Dienst als bischöflicher Sekretär
und Zeremoniär und war damit ständiger Begleiter des Bischofs auf dessen Firm- und
Visitationsreisen.
Mit Beginn der nationalsozialistischen Ära wurde Weinberger vom
Bischof als Vertreter des Ordinariates zu den Verhandlungen mit Gauleitung und Gestapo
bestimmt. Am 6. November 1940 wurde er jedoch wegen angeblicher Mitwisserschaft der Vorbereitung
zum Hochverrat (Großösterreichische Freiheitsbewegung) von der Gestapo verhaftet.
Fast volle vier Jahre war er in 14 verschiedenen Gefängnissen Österreichs und
Deutschlands (bes. Anrath bei Krefeld) in Einzelhaft. Im Juli 1944 wurde er vor dem 3.
Senat des Berliner Volksgerichtshofes zu zweieinhalb Jahren Kerker verurteilt. Ohne
irgendeine Schuld mußte er schwere Drangsal auf sich nehmen.
Am 21. Juli 1944 aus dem Gefängnis entlassen, nahm er bereits am 6.
September 1944 seinen Dienst als Kanzleidirektor wieder auf, am 1. September 1944 wurde er
zum Judex prosynodalis des Kirchlichen Gerichts ernannt.
Mit 15. Juli 1949 verlieh Bischof Josephus Calasanctius Fließer
Weinberger das Marianische Kanonikat des Kathedralkapitels. Vom 1. Jänner 1952 bis
30. September 1953 war er Domkustos; vom 1. Jänner 1952 bis 20. Jänner 1962
fungierte er auch als Obmann des Dombaukomitees und Dombauvereins. Seit 14. Jänner
1953 Domkapitular kaiserlicher Stiftung, wurde er mit 24. Oktober 1953 kraft päpstlichen
Breves infulierter Domscholaster und am 22. Mai 1955 Dompropst.
Die Ernennung zum Generalvikar durch Bischof Fließer (l. September
1953) wurde schon erwähnt. Auch der neue Bischof Franz S. Zauner (1956 bis 1980)
bestellte Weinberger zu seinem Generalvikar. Besonders während der langen Aufenthalte
Zauners in Rom während des Zweiten Vatikanischen Konzils lag die Diözesanregierung
praktisch in den Händen Weinbergers.
Seine Leistung wurde durch die Ernennung zum Apostolischen Protonotar
(mit päpstlichem Breve vom 18. Oktober 1971) besonders anerkannt. Nach seinem
Rücktritt als Generalvikar folgte ihm in dieser Aufgabe mit 1. August 1973 Weihbischof
Dr. Alois Wagner nach. Die Verwaltung der domkapitelschen Forstgüter, die Weinberger seit
1968 oblag, behielt er jedoch bis zu seinem Ableben bei.
Während seiner letzten Lebensjahre war Weinberger schon stark gehbehindert
und konnte seine Wohnung kaum mehr verlassen. Er starb am 29. April 1981.
Am 4. Mai wurde er im Dom mit einem feierlichen bischöflichen Requiem
verabschiedet und anschließend auf dem Friedhof seiner Heimatpfarre Leonding
beigesetzt.
Quelle:
Rudolf Zinnhobler, Das Bistum Linz. Seine Bischöfe und Generalvikare
(=NAGDL 15/1), Linz 2002.
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