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zu den Biografien Johann Steinbock (*1909)
Ehrendomherr der Diözese Linz
* 26. 6. 1909 St. Agatha
Gymnasium in Linz-Kollegium Petrinum 1920-1928
Theologiestudium in Linz 1928-1933
Priesterweihe am 29. 6. 1932, Linz
1933-1934 Kooperator in Waldhausen, unterbrochen durch Dienstleistung als Vicarius
substitutus in Steinbach a. Attersee (1934)
1934-1936 Kooperator in Gaspoltshofen
1936-1939 Kooperator in Ried i. Innkr.
1939-1941 Kooperator in Steyr-Vorstadtpfarre
(1941-1945: Gestapo-Haft und KZ Dachau)
1945-1951 Kooperator in Steyr-Vorstadtpfarre, seit 1947 zugleich Provisor des
Dreifaltigkeits-Benefiziums an der Stadtpfarre Steyr
1951-1986 Pfarrer der Stadtpfarre Steyr
seit 1959 Leiter der Kaiser Karl-Gebetsliga für Oberösterreich
seit 1970 Diözesanpräses des Borromäuswerkes
Johann Steinbock entstammt einer kinderreichen Familie (11 Geschwister)
in St. Agatha, wo seine Eltern (Franz Steinbock * 20. 9. 1884 Waizenkirchen,
+ 25. 6. 1962 St. Agatha;
Franziska, geb. Strasser, *
2. 11. 1888 St. Agatha, + 20. 4. 1969 St. Agatha;
vereh. 24. 11. 1908 St. Agatha) eine Tischlerei führten.
Nach der Matura am bischöflichen Gymnasium Kollegium Petrinum 1928 absolvierte er die
philosophisch-theologischen Studien an der Diözesanlehranstalt im Priesterseminar Linz.
Die Priesterweihe erhielt er am 29. Juni 1932 im Neuen Dom zu Linz durch Bischof Johannes
M. Gföllner.
Mit Juli 1933 trat er in politisch schwieriger Zeit in die Seelsorge. Er kam zunächst
nach Waldhausen, mußte aber in dieser Zeit für ca. drei Monate den erkrankten Pfarrer
von Steinbach a. Attersee vertreten, 1934 kam er nach Gaspoltshofen, 1936 nach Ried i.
Innkreis.
Steinbock bemühte sich auf allen Posten um die Errichtung bzw. Führung von
Pfarrbüchereien und um den Aufbau der Jugendarbeit. Seine Arbeit als Präses der
Studentenkongregation in Ried i. I. (1936-1939) brachte ihn in Konflikt mit dem NS-Regime
("einem solchen Staatsfeind soll man die Jugend nicht weiter anvertrauen"), was
eine Versetzung angeraten erscheinen ließ. So wurde er mit 16. März 1939 als Kooperator
für die Vorstadtpfarre Steyr admittiert. Er konnte dort zunächst einigermaßen
unbehelligt den seelsorglichen Aufgaben nachkommen. Da zu seiner Verwunderung das ihm im
März 1939 in Ried i. I. auferlegte Schulverbot "für das gesamte Großdeutsche Reich
für immerwährende Zeiten" offenbar in Steyr nicht bekannt war, erteilte er auch
wieder Religionsunterricht.
Pfarrjugendarbeit einerseits und Denuntiantentum andererseits brachten ihm im Herbst 1941
erneut eine Vorladung und Hausdurchsuchung durch die GESTAPO (4. Sept.) ein. Weil er
u.a. nicht bereit war, Angaben über sich bzw. über Priester, die dem Regime verdächtig
erschienen, zu machen, erhielt er den "Schutzhaftbefehl": "Kaplan Steinbock
Johann gefährdet nach dem Ergebnis der staatspolizeilichen Feststellungen durch sein
Verhalten den Bestand und die Sicherheit des Volkes und des Staates, indem er einer
Betätigung zum Nachteile des Deutschen Reiches innerhalb einer illegalen Organisation
dringend verdächtig ist". Er kam noch im September d.J. in Gestapohaft und wurde im
Jänner 1942 in das KZ Dachau überstellt. In Dachau konnte er heimlich ein umfangreiches
Manuskript über die "Christliche Freiheit" verfassen, in dem er u.a. für die
damalige Zeit sehr weitreichende liturgische Reformen wünschte (Gottesdienst in der
"Volkssprache", "Celebratio versus populum",
"Concelebration"). Seine Vorstellungen wurden z.T. durch die
Liturgie-Konstitution des 2. Vatikanischen Konzils noch überboten, denn, so schreibt J.
Steinbock, damals "wagte ich nicht, die Einsetzungsberichtsworte auch in Volkssprache
haben zu wollen".
Mittels einer Geheimschrift gelang es ihm, brieflich sein persönliches Befinden und die
Zustände im KZ "nach außen" zu übermitteln. Die Rechtslosigkeit als
KZ-Häftling sei total gewesen, so Steinbock, "wer nicht selbst drin war, kann es
sich einfach nicht vorstellen". Erst der Einmarsch der US-Truppen in das
Konzentrationslager Dachau in den Abendstunden des 29. April 1945 brachte Steinbock die
Entlassung, er mußte aber noch bis zum 23. Mai "unter amerikanischer Aufsicht"
in der Flecktyphus-Quarantäne in Dachau bleiben. Dann trat er zu Fuß den Heimweg an.
Mit 1. Juli kehrte er wieder als Kooperator in die Vorstadtpfarre Steyr zurück.
Mit 1. Mai 1947 wurde Steinbock als Benefiziat des Dreifaltigkeits-Benefiziums die
Seelsorge an der Stadtpfarre zugewiesen, er hielt u.a. Religionsunterricht an der Höheren
Technischen Lehranstalt und leitete die Pfarrbücherei in der "Volkslesehalle"
(wiedereröffnet 1947; diese übersiedelte 1979 in das Dominikanerhaus). Dieses
persönliche Anliegen, das gute Buch zu fördern, konnte er später auch als
Diözesanpräses des Borromäuswerkes (seit 1970) tatkräftig unterstützen.
Mit 1. Februar 1951 wurde Steinbock die Stadtpfarre Steyr verliehen. Mannigfache bauliche
Erneuerungen galt es durchzuführen (z.B. Glocken, Orgel, Pfarrhof, Pfarrsaal). In
pastoraler Hinsicht sind in der Errichtung des "Hauses der Begegnung"
(Dominikanerhaus) und im Kirchenbau auf der Ennsleite beredte Zeichen seines Einsatzes zu
sehen.
In Würdigung dieses Bemühens wurde Johann Steinbock mit 11. März 1980 zum
Ehrenkanonikus des Linzer Kathedralkapitels ernannt. Nach mehr als 40 Seelsorgejahren in
Steyr übergab er die Verantwortung für die Stadtpfarre - an der Abschiedsfeier nahmen
Diözesanbischof Maximilian Aichern und der apostolische Nuntius Michele Cecchini teil -
mit 1. September 1986 seinem Amtsnachfolger Mag. Roland Bachleitner.
Seinen Alterssitz hat der zu seelsorglichen Aushilfen immer noch gern bereite Pfarrer i.R.
("in Reichweite", wie er es selbst formulierte) im Dominikanerhaus.
Auszeichnungen:
Geistlicher Rat (1949); Konsistorialrat (1962); Ehrenkanonikus (11. 3. 1980);
Ehrenmedaille der Stadt Steyr (GR-Beschluß vom 4. 6. 1985); Ehrenzeichen für Verdienste
um die Befreiung Österreichs (nicht angenommen, weil "der österreichische
Widerstand 1938-1945 behördlich unter einem zusammengefaßt erscheint mit dem
parteilichen Widerstand 1934-1938").
VERÖFFENTLICHUNGEN:
Proösterreichische Beiträge in der Zeitschrift "Vaterland" (1932-1938).
Das Ende von Dachau, Salzburg 1948.
Christliche Freiheit (als Manuskript vorliegend).
Als Priester dreieinhalb Jahre im KZ Dachau (Sonderdruck des
Amtsblattes der Stadt Steyr, 1988).
QUELLE:
Die Linzer Ehrendomherren, in: Neues Archiv
für die Geschichte der Diözese Linz 6 (1989/1990) (mit weiterführenden
Literaturangaben)
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