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Franz X. Stadler (1868-1936)

Ehrendomherr

* 25. 9. 1868 Gilgenberg
+ 2. 2. 1936 Wels

Gymnasium in Linz-Freinberg 1880-1888
Theologiestudium in Linz 1888-1892
Priesterweihe am 26. 7. 1891, Linz

1892-1893 Kooperator in Sierning
1893-1911 Kooperator in Gmunden
1894-1911 Präses des Katholischen Gesellenvereines Gmunden
1911-1936 Pfarrer in Bad Ischl
1918-1936 Dechant und bischöflicher Schulinspektor des Dekanates Bad Ischl
1919-1930 Mitglied im Gemeindeausschuß Bad Ischl
ab 1921 Provisor des Krallschen Herz Jesu-Benefiziums in Bad Ischl
1928-1936 Komiteemitglied des Katholischen Preßvereins
1934-1936 Mitglied des OÖ. Landesschulrates

Franz Xaver Stadler stammte aus kleinen Verhältnissen. Sein Vater Michael Stadler war Schmied in der kleinen Innviertler Gemeinde Gilgenberg, seine Mutter Theresia, geb. Hochradl, war eine Bauerstochter.
Als Kooperator von Gmunden übernahm Stadler den von seinem Vorgänger Prälat Dr. Johann B. Andlinger gegründeten Gesellenverein und stand ihm als Präses 17 Jahre lang vor.
Im Dezember 1898 erließ der Ausschuß des "Katholischen Lehrerbundes für Österreich" einen Aufruf zur Gründung eines katholischen Lehrervereines für Oberösterreich. Franz Stadler wurde als Kassier in den Ausschuß des Vereines gewählt.
Stadler ist auch Gründer des akademischen Universitätsvereines der Diözese Linz.
Als Pfarrer von Bad Ischl folgte Stadler auf Prälat Franz Weinmayr, der 41 Jahre der Pfarre vorstand und ihr seinen Stempel aufdrückte.
Während der Amtszeit Stadlers in Bad Ischl wurde 1930 die zweite große Kirchenrenovierung begonnen, das große Fresko vom hl. Abendmahl vollkommen restauriert und 1931 das Presbyterium und 1932 das Schiff der Kirche mit den Seitenaltären erneuert. Die Kosten hierfür konnte Stadler trotz der Wirtschaftskrise zur Gänze durch Spenden aufbringen. Auch eine neue Leichenhalle wurde erbaut.
Zu Stadlers großen Leistungen zählt noch die Erwerbung und Ausgestaltung des Kinderheimes in Roith 19 im Jahre 1932, das den Kreuzschwestern zur Betreuung übergeben wurde. Das Kinderheim wurde 1974 aufgelassen.
In der Nachkriegszeit war Franz Stadler (ab 1919) mehrere Perioden im Gemeindeausschuß Bad Ischl tätig. Er bemühte sich vor allem um die Hebung und Sicherung des Fremdenverkehrs (besonders nach dem Ende der Kaiserzeit), um der zunehmenden Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken. Es gelang ihm, dafür die Unterstützung von Landeshauptmann Johann N. Hauser und später auch von Josef Schlegel zu gewinnen.
Die Koch- und Haushaltungsschule, die sein Vorgänger errichtet hatte, brachte er zu großer Blüte; Stadlers Idee war die Errichtung des Lehrerinnenseminars zur Heranbildung von Lehrkräften für die Haushaltungsschulen.
Franz X. Stadler redigierte seit 1916 wahrscheinlich als erster in der Diözese die "Pfarramtlichen Mitteilungen" (Auflage: 3.000), war Mitbegründer und erster provisorischer Leiter und Redakteur der "Salzkammergut-Zeitung" sowie der Salzkammergutdruckerei. Er schrieb viele Artikel und Aufsätze in Zeitschriften und Zeitungen, u.a. Leitartikel im "Linzer Volksblatt" über aktuelle Schulfragen, über "Die Kultur am Ausgang des Mittelalters" in der "Katholischen Warte", über Lehrstand, soziale Frage und Lehrlingsfürsorge, Essays über Kunst und Literatur und biographische Skizzen. Er veröffentlichte auch zahlreiche Artikel in der "Steyrer Zeitung" über Religion und Sozialismus.
Stadler wurde am 22. September 1921 vom Bischof zum Ehrenkanonikus ernannt und am 18. Oktober mit den Insignien bekleidet.
1928 wurde Franz Stadler zusammen mit Ehrendomherr Josef Pöschl als Vertreter des Diözesanbischofs in das Preßvereinskomitee berufen.
Selbst aus bescheidenen Verhältnissen stammend, zeigte Stadler viel Verständnis für die ärmere Bevölkerung. Als Pfarrer des Weltkurortes Bad Ischl hatte er aber auch gute Verbindungen zu hochstehenden Persönlichkeiten, wobei er aber stets darum bemüht war, die sozialen Gegensätze zu überbrücken.
Stadler selbst blieb immer der einfache Mensch, der auf äußere Ehren des Lebens keinen Wert legte.
Nach dem Tod Bischof Hittmairs im Jahre 1915 wurde Stadler als "frommer und würdiger Priester" in die Liste der möglichen Kandidaten für die Nachfolge aufgenommen.
Pfarrer Franz X. Stadler starb am 2. Februar 1936 an Krebs nach dreimonatigem Aufenthalt im Allgemeinen Krankenhaus der Kreuzschwestern in Wels. Sein Leichnam wurde am 5. Februar in der Priestergrabstätte in Bad Ischl beigesetzt.

Auszeichnungen:
Geistlicher Rat (1. 4. 1912); Konsistorialrat (6. 12. 1913); Ehrenkanonikus (22. 9. 1921); Päpstlicher Hausprälat (20. 6. 1931); Ehrenkreuz II. Klasse mit Kriegsdekoration vom Roten Kreuz (1917); Ehrenbürger von Bad Ischl (1921); Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um den Bundesstaat Österreich (1934).

VERÖFFENTLICHUNGEN (Auswahl):
Josef Freiherr v. Zedlitz. Biographische Skizze zum 100. Geburtstage, in: Katholische Warte, 1890.
Franz Grillparzer. Biographische Skizze zum 100. Geburtstage, in: LVBl, 1891, Nr. 11 u. Nr. 12.
Die Köhlerfamilie. Eine Geschichte von Liebe und Haß aus den Bergen, in: "Katholik", Kalender für das Volk, 1891.
Die Kunst und Literatur des 16. Jahrhunderts. Essay nach Johannes Janssen, Geschichte des deutschen Volkes seit dem Ausgang des Mittelalters, Bd. VI: Kunst und Literatur bis zum Beginn des 30jährigen Krieges, Freiburg i. Br. 7 1924, in: Katholische Warte, 1892.

QUELLE:
Die Linzer Ehrendomherren, in: Neues Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 6 (1989/1990) (mit weiterführenden Literaturangaben)