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Franz Joseph Rudigier (1811-1884)

Bischof von Linz

Franz Joseph Rudigier wurde am 7. April 1811 in Partenen (Vorarlberg) als neuntes und jüngstes Kind des Kleinbauern, Mauteinnehmers und Schuhmachers Johann Christian Rudigier und seiner Ehefrau Maria Josepha Tschofen geboren. Von seinen vier Brüdern wurde der 14 Jahre ältere Johann Joseph ebenfalls Priester. Rudigier absolvierte in Innsbruck nach Überspringung der beiden ersten Klassen 1825-1829 das Gymnasium und 1829-1831 das Lyzeum. Danach trat er in das Brixner Priesterseminar ein, wo er u.a. die späteren Bischöfe Joseph Feßler (St. Pölten) und Vinzenz Gasser (Brixen) kennenlernte. Am 12. April 1835 zum Priester geweiht, wirkte Rudigier zunächst als provisorischer Frühmesser in Vandans, dann als Frühmesser in Bürs. 1838-1839 hielt er sich als Mitglied des Frintaneums (Höheres Priesterbildungsinstitut St. Augustin) zu weiterführenden Studien in Wien auf. 1839 wurde er provisorisch, 1841 definitiv zum Professor der Kirchengeschichte und des Kirchenrechtes in Brixen ernannt, musste auf Wunsch von Bischof Galura stattdessen jedoch noch im selben Jahr 1841 die Moraltheologie und die Erziehungskunde übernehmen, während sein Kollege Feßler seitdem Kirchengeschichte und Kirchenrecht las. Durch die Vermittlung von Burgpfarrer Ignaz Feigerle wurde Rudigier 1845 als Spiritualdirektor des Frintaneums und als Hofkaplan nach Wien berufen. 1848 erhielt er auf eigenen Wunsch die Propsteipfarre Innichen (Tirol), doch schon 1850 ernannte Kaiser Franz Joseph ihn auf Vorschlag von Galura zum Domkapitular in Brixen. Er wurde zugleich Regens des Priesterseminars, das er mit Strenge leitete.

Am 19. Dezember 1852 nominierte Kaiser Franz Joseph Rudigier zum Bischof von Linz. Die päpstliche Verleihung folgte am 10. März, die Konsekration durch Pronuntius Kardinal Michele Viale Prelà am 5. Juni 1853 in der Kirche St. Augustin zu Wien, die Inthronisation in Linz am 12. Juni 1853. Da die Aufklärung im Bistum Linz unter Bischof Ziegler im wesentlichen überwunden worden war und das von Rudigier begeistert begrüßte Konkordat von 1855 das josephinische System endgültig abschloss, trat Rudigier sein Amt unter günstigen Bedingungen an. Vorerst konnte er sich ganz auf die Seelsorge konzentrieren. Entsprechend den Bestimmungen des Tridentinums verlegte Rudigier schon im ersten Regierungsjahr die theologische Lehranstalt in das Priesterseminar. 1854 wurde zur Förderung der katholischen Lehrerbildung in Linz ein Lehrerseminar gegründet. 1855 erfolgte die Gründung des "Linzer Diözesanblattes" als Amtsblatt. Nach der Verkündigung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis Mariens (1854) beschlossen Rudigier und sein Domkapitel 1855 den Bau einer neuen Kathedrale mit diesem Titel. Die Grundsteinlegung dieses monumentalen neugotischen Baues erfolgte 1862, die Weihe der Votivkapelle 1869. Beim Tode Rudigiers war der Bau vom Chor bis zum Querschiff in etwa fertig gestellt.

Als Apostolischer Visitator in Klöstern der Monarchie 1855-1856 zeichnete sich Rudigier durch Klugheit und Mäßigung aus. Mit den Jesuiten am Freinberg, die seit 1850 das bischöfliche Knabenseminar leiteten, hatte er 1857-1865 eine Kontroverse über die Finanzierung und den bischöflichen Charakter der Anstalt. Obwohl Rudigier Schwierigkeiten hatte, die Exemtion der Orden voll zur Kenntnis zu nehmen, darf er im allgemeinen als Freund der Ordensgemeinschaften angesehen werden. Der Vorwurf, er habe die Karmeliten aus Linz vertrieben, lässt sich quellenmäßig nicht erhärten. Die Abwanderung einiger Ordensmitglieder, die die strenge Observanz nicht akzeptierten, bzw. der Übertritt anderer zum Weltklerus gingen offenbar nicht auf sein Betreiben zurück. Während Rudigiers Amtszeit errichteten die Franziskaner Niederlassungen in Suben (1856), Enns (1859), Maria Schmolln (1864), Pupping (1879) und Bruckmühl (1883), die Kapuziner in Ried i.I. (1862), die Jesuiten in Steyr (1865), ferner die Karmelitinnen (1860), die Kreuzschwestern (1861) und die Marienschwestern (1861) in Linz. Insgesamt gründeten damals "drei Männerorden ... sieben ... und neun weibliche Ordensgemeinschaften ... 59 Filialinstitute" (M. Würthinger).

In dem 1861 konstituierten Oberösterreichischen Landtag, in dem die Liberalen die Mehrheit besaßen, war der Bischof von Amts wegen vertreten (Virilstimme). Die dadurch bedingte politische Aktivität Rudigiers sollte z.T. von schweren Konflikten begleitet sein, da er während seiner 23jährigen Mitarbeit im Landtag unermüdlich zu Tagesfragen und gegen die Zurückdrängung des kirchlichen Einflusses auf die Gestaltung des öffentlichen Lebens Stellung nahm. Sein Hirtenschreiben vom 7. September 1868, in dem er die unveränderte Fortgeltung des Konkordates vertrat und zum Widerstand gegen die die Schul-, Ehe- und Konfessionsfrage betreffenden Maigesetze des selben Jahres aufrief, wurde auf Weisung des k.k. Statthalters beschlagnahmt. Am 5. Juni 1869 vor Gericht geführt, wurde Rudigier am 12. Juli wegen "des Verbrechens der Störung der öffentlichen Ruhe" zu zwei Wochen Haft verurteilt, vom Kaiser jedoch bereits am folgenden Tag amnestiert. Am Tag der polizeilichen Vorführung hatte die katholische Bevölkerung in Linz zum ersten Mal öffentlich demonstriert, so dass man diesen Tag als Geburtsstunde der demokratischen Bewegung der österreichischen Katholiken bezeichnet hat. Rudigier wurde durch dieses Vorkommnis nicht nur zum Volksbischof, sondern es gelangen nun auch die Gründung des katholischen Volksvereins (1869) als Gegenstück zum Liberalen Verein für Oberösterreich (1869) und des katholischen Preßvereins (1870). Dieser übernahm die 1869 gegründete, von Rudigier geförderte Tageszeitung "Linzer Volksblatt". In der Folge entstanden noch mehrere katholische regionale Wochenblätter. Die durch die liberale Regierung erfolgte Kündigung des Konkordates (1870) hat Rudigier nie akzeptiert.

Der Entzug des Öffentlichkeitsrechtes für das Knabenseminar (1868) traf Rudigier schwer und gefährdete den Priesternachwuchs. Bis zum Ende seiner Amtszeit gelang es ihm jedoch, wieder zufriedenstellende Zugänge zum Priesterseminar zu erreichen. Die ihm 1869 abgesprochenen Dotationsgüter Gleink und Garsten erhielt er 1883 nach energischen Interventionen zurück. Damals kaufte er für 60.000 Gulden den Bischofshof an, der dem ersten Linzer Bischof Herberstein 1784 ohne Entschädigung des Stiftes Kremsmünster nur zur freien Nutznießung zugewiesen worden war. Die Zahlungen erfolgten in Raten.

Auf dem Ersten Vatikanischen Konzil trat Rudigier im Gegensatz zu seinen bischöflichen Freunden Joseph Feßler und Vinzenz Gasser nicht hervor. Die Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit hielt er zunächst nicht für opportun, stimmte aber letztlich dafür. 1871 konnte er trotz seiner persönlichen Intervention die Bildung einer altkatholischen Gemeinde zu Ried i.I. nicht verhindern.

Rudigier hat während seiner 31jährigen Amtszeit 835 Pfarrvisitationen vorgenommen, 48 Hirtenschreiben erlassen und sich zu allen wichtigen Anliegen der Zeit geäußert. So bescheiden und anspruchslos seine persönliche Lebensführung war, so entschieden hat er stets die bischöflichen und kirchlichen Rechte vertreten. Die Konsequenz war seine Stärke, mitunter mangelte es ihm jedoch an der nötigen Flexibilität. In der Auseinandersetzung mit dem Liberalismus ist ihm insbesondere die Sammlung der katholischen Kräfte gelungen. Dem damals noch jungen Bistum Linz vermittelte er durch diese Aufbauarbeit die entsprechende Identität.

Rudigier holte sich bezeichnenderweise die Todeskrankheit auf einer Visitationsreise. Er starb am 29. November 1884 in Linz und wurde als erster Bischof im "Neuen Dom" beigesetzt. In seinem Testament hatte er neben persönlichen Legaten zu zwei Dritteln den Dombauverein und zu einem Drittel das Knabenseminar als Erben eingesetzt. 1895 wurde sein Seligsprechungsprozess eingeleitet und zuletzt 2009 sein heroischer Tugendgrad bestätigt ("Diener Gottes"). Den Abschluss des Prozesses setzt ein von Rom beglaubigtes auf Fürbitte Rudigiers erfolgtes Wunder voraus.

Schriften: Bischof Rudigiers Geistliche Reden, hrsg. v. F. Doppelbauer, 2 Bde. (Linz 1885/87; 1. Bd. 21887; 2. Bd. 31902). – Exercitia Spiritualia, hrsg. v. F. Doppelbauer (Linz 1886; 41908). – Exercitiorum Spiritualium primae et secundae editionis supplementum, hrsg. v. F. Doppelbauer (Linz 1887). – Bischof Rudigiers Hirtenschreiben. Mit einem Anhang, hrsg. v. F. Doppelbauer (Linz 1888). – Bischof Rudigiers Politische Reden. Mit einem Anhang, hrsg. v. F. Doppelbauer (Linz 1889). – Vita Beati Petri, Principis Apostolorum, XXXVI Lectionibus Sacerdotibus maxime proposita, hrsg. v. F. Doppelbauer (Linz 1890). – Bischof Rudigiers Kirchenpolitische Aktenstücke, gesammelt aus dem Diözesanblatte, hrsg. v. F. Doppelbauer (Linz 1890). – Predigten des Diener Gottes Franz Joseph Rudigier, Bischof von Linz, hrsg. v. F. Doppelbauer, 2 Bde. (Linz 1900/03).

Quellen: Diözesanarchiv Linz, BiA Rudigier; Sechs unbekannte Briefe des Linzer Bischofs F.J. Rudigier, hg. v. R. Zinnhobler, in: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereins 135/I (1990), 153-164; Zeugnisse der Sorge für andere. Zwölf Briefe Bischof Rudigiers an Franz Anton Jenni, hg. v. R. Zinnhobler, in: NAGDL 8 (1993/94), 79-90; Beatificationis et canonizationis servi Dei Francisci Josephi Rudigier Episcopi Linciensis (1811-1884). Positio super virtutibus, hg. v. Congregatio de causis Sanctorum, 2000.

Literatur: K. Meindl, Leben und Wirken des Bischofes Franz Joseph Rudigier von Linz, 2 Bde (Linz 1891-92). – B. Scherndl, Der Ehrwürdige Diener Gottes Franz Josef Rudigier. Bischof von Linz (Regensburg-Rom 1913, 2. Auflage 1915). – H. Slapnicka, Bischof Rudigier. Eine Bildbiographie (Linz 1961). – H. Slapnicka, in: Zinnhobler, Die Bischöfe von Linz, 105-146; R. Zinnhobler (Hg.), Bischof Franz Joseph Rudigier und seine Zeit, 1987. – R. Zinnhobler – J. Ebner – M. Würthinger (Hg.), Auf den Spuren Bischof Rudigiers (Linz 1992). – R. Zinnhobler, Der politische Aspekt im Wirken des Linzer Bischofs F.J. Rudigier (1853-1884), in: FS J. Schasching, hg. v. H. Schambeck und R. Weiler (Berlin 1992), 429-443. – Ders., Rudigier, Franz Joseph, in: U. Harten (Hg.), Bruckner, 372f. – Ders., Rudigier, Franz Joseph, in: LThK 8 (1999), 1342. – Ders., Rudigier, Franz Joseph, in: NDB 21 (2001). – Ders., Der Linzer Bischof Franz Joseph Rudigier. Der geistliche Aspekt in seinem Leben und Wirken, in: J. Mikrut (Hg.), Faszinierende Gestalten der Kirche Österreichs Bd. 2 (Wien 2001), 233-263.

 
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