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Alois Raster (1898-1979)
Ehrendomherr der Diözese Linz
* 15. 6. 1898 Wernstein
+ 1. 5. 1979 Wels
Gymnasium in Linz-Petrinum 1910-1918
Theologiestudium in Linz 1918-1922
Priesterweihe am 29. 6. 1922, Linz
1. August 1922 - 1. September 1924 Kooperator in Uttendorf-Helpfau
1. September 1924 - 16. Mai 1926 Kooperator in Altmünster, mehrere Monate als
Pfarrprovisor (1. Jänner 1925 - 16. Mai 1925)
16. Mai 1926 - 26. Jänner 1933 Kooperator in Enns
26. Jänner 1933 - 1. Februar 1934 Kooperator in Linz-St. Josef (Hl. Familie)
1. Februar 1934 - 1. Februar 1952 Pfarrer in Pischelsdorf
1. März 1942 - 1. März 1944 Mitarbeiter in der DFK Linz und Auxiliar in Linz- Herz Jesu
1. Jänner 1949 - 1. Februar 1952 Dechant des Dekanates Mattighofen
1. Februar 1952 - 31. Dezember 1967 Pfarrer in Wels-Vorstadt
31. März 1960 - 1962 Administrator des Dekanates Wels
1. Jänner 1968 - 1. Mai 1979 Seelsorger des Altenheimes "Bruderliebe" in Wels,
Pfarrer i. R.
Alois Raster wurde am 15. Juni 1898 in Wernstein am Inn geboren. Sein Vater,
der Weber Josef Raster (*
4. 3. 1841 Tittling/Bayern, + 17. 1. 1921 Wernstein),
hatte am 6. Juli 1880 Maria Mager (*
12. 8. 1854 Wimberg 8, Pfarre Wernstein, +
11. 3. 1947 Pischelsdorf) geheiratet. Alois Raster hatte noch einen älteren
Bruder namens Josef (* 24. 3. 1882). Nach dem
Besuch der zweiklassigen Volksschule in Wernstein (1. Mai 1905 - 5. Juni
1910) trat Alois in das Knabenseminar Kollegium Petrinum in Linz-Urfahr
ein. Im Juli 1918 legte er die Reifeprüfung mit Auszeichnung ab, und zwar
in Gleink, wo infolge des Krieges ein Teil von Internat und Gymnasium untergebracht
war. Zum Militärdienst wurde er wegen seiner schwächlichen Konstitution
für untauglich befunden.
Nach dem vierjährigen Theologiestudium in Linz (1918-1922) und der Priesterweihe folgten
zwölf Jahre als Kooperator in den Pfarren: Uttendorf-Helpfau, Altmünster, Enns und
Linz-St. Josef (Hl. Familie). Im Oktober 1913 legte Raster die Pfarrkonkursprüfung ab, um
sich schon am 14. Oktober d.J. um die freigewordene Pfarre Pischelsdorf zu bewerben, die
ihm am 1. Februar 1934 auch verliehen wurde. Er verwuchs sehr stark mit seiner Pfarre, die
ihm noch heute ein gutes Andenken bewahrt. Wenn sich Raster später wiederholt um andere
Pfarren bewarb, so hat dies vor allem mit der baulichen und finanziellen Situation in
Pischelsdorf zu tun.
In Pischelsdorf erlebte Raster die schwierige Zeit des Ständestaates ebenso wie die des
Nationalsozialismus. In besonderer Weise nahm er sich der Jugend an, zuerst des
"Reichsbundes", später der "Pfarrjugend". Sein Pfarrhof war immer von
jungen Menschen "besetzt".
Im Februar 1942 war Raster "wegen Abhörens von Auslandssendern" für drei
Wochen eingesperrt. Auch wurde er am 3. März 1942 mit Kreisverbot belegt. Die Pfarre
wurde nun durch einen Pfarrvikar (Anton Heinrich Richter) betreut. Raster wurde für den
"verhinderten Hochw. Herrn Kneidinger" (dieser war von den NS-Behörden
festgenommen worden und kam später in das KZ Dachau) mit Wirkung vom 1. März 1942 zur
Dienstverwendung in der DFK bestellt; seine Wohnung wurde ihm im Pfarrhof Linz-Herz Jesu,
wo er auch als Auxiliar mitwirken sollte, angewiesen. Der Bischof bedauerte es mit
Schreiben vom 20. Februar 1942, daß aufgrund der Umstände das weitere
"ausgezeichnete Wirken" Rasters in Pischelsdorf nicht mehr möglich sei. 1944
wurde das Kreisverbot aufgehoben, mit 29. Februar d.J. und Rechtswirksamkeit vom 1. März
konnte Raster seinen Posten als Pfarrer von Pischelsdorf wieder antreten. Zu Weihnachten
1946 wurde er für seine Verdienste um die Pfarrseelsorge, "besonders um die Jugend
und das liturgische Leben", aber auch, "um zugleich viel Unrecht und Leid",
das er "in den letzten Jahren der Verfolgung" tragen hatte müssen,
"gutzumachen", zum bischöflichen Geistlichen Rat ernannt.
Mit Beginn des Jahres 1949 wurde Raster zum Dechant des Dekanates Mattighofen bestellt.
Raster war ganz unmusikalisch. Aber gerade deswegen bemühte er sich sehr um die Musica
Sacra in Pischelsdorf und ließ mehrere Organisten ausbilden. Das Innere des Gotteshauses
ließ er restaurieren. Der "alte" und baufällige Pfarrhof, der Friedhof u.a.
bereiteten ihm große Sorgen. Das war auch der Grund, warum er sich mehrfach um andere
Pfarren bewarb (am 3. Juni 1948 um Mondsee, am 9. Juli 1948 um Schärding, am 20. Februar
1951 um Waizenkirchen und am 22. August 1951 um Vöcklamarkt). Diese Pfarren wurden jedoch
anderweitig vergeben. Erst das Gesuch vom 7. Jänner 1952 um die Verleihung der
Vorstadtpfarre Wels wurde positiv erledigt. Raster übernahm den neuen Posten mit 1.
Februar 1952. Die Bewerbung war auf Bitten des Bischofs erfolgt. In der Vorstadtpfarre
Wels waren nämlich nach dem Abgang von Dechant Johann Lang viele Probleme zu lösen.
Darauf verweist auch der Schlußsatz des Gesuches: "Der Gefertigte bittet das
Hochwürdigste Bischöfliche Ordinariat im Falle der Verleihung der Pfarre um tatkräftige
Unterstützung bei Überwindung der vielen Schwierigkeiten".
In Wels ließ Raster die Vorstadtpfarrkirche außen und innen renovieren (1954). Die
Pfarrcaritas baute er nach modernen Grundsätzen aus und wirkte darin geradezu
bahnbrechend. Der soziale Aspekt hat im priesterlichen Wirken Rasters immer eine große
Rolle gespielt.
Nach dem Tode des Welser Stadtpfarrers Felix Königseder (30. März 1960) wurde Alois
Raster mit Wirksamkeit vom 31. März 1960 zum Administrator des Dekanates Wels bestellt.
Diese Aufgabe versah er durch zwei Jahre.
In die Zeit des Wirkens von Alois Raster in Wels fällt auch die Neuordnung der
Pfarrgrenzen und vor allem der Bau der St. Josefskirche in der Pernau mit der zugehörigen
Pfarranlage, worum er sich große Verdienste erwarb. Ein Ideenwettbewerb war schon 1960
ausgeschrieben worden, die Bauarbeiten begannen 1964, die Kirchweihe durch Bischof DDr.
Franz S. Zauner fand am 8. Oktober 1967 statt. Mit Jänner 1968 wurde die Vorstadtpfarre
Wels nach Wels-St. Josef übertragen.
Für seine großen Verdienste wurde Raster schon mit 1. Jänner 1963 zum Ehrenkanonikus
des Linzer Domkapitels ernannt, die feierliche Überreichung der Insignien fand am 2.
Jänner 1963 statt.
Aus gesundheitlichen Gründen reichte Raster am 18. Februar 1967 um seine Pensionierung
ein. Dem Gesuch wurde am 20. Februar d.J. mit Rechtswirksamkeit vom 31. Dezember
stattgegeben, d.h. mit der Verlegung der Vorstadtpfarre Wels. Mit seinem Übertritt in den
dauernden Ruhestand übernahm Raster die Seelsorge in dem von den Kreuzschwestern
geleiteten Altenheim "Bruderliebe" in Wels, die er bis zu seinem Tod versah.
Durch seine neue Tätigkeit wurde Raster zur Abfassung einer Diplomarbeit angeregt, die
Prof. Dr. Rudolf Zinnhobler betreute. Sie trägt den Titel "Beiträge zum
sozial-karitativen Wirken der Kreuzschwestern in Wels". Mit ihr wurde er - im Alter
von fast 72 Jahren - am 26. April 1971 an der Universität Graz zum Magister der Theologie
spondiert.
Raster starb im Krankenhaus Wels am 1. Mai 1979 um 2.20 Uhr früh. Daß sein Tod auf den
Tag Josefs des Arbeiters fiel, wurde als symbolhaft angesehen, war es doch Raster gewesen,
der für die von ihm initiierte Kirche Wels-St. Josef (Pernau) das Patrozinium "Josef
der Arbeiter" in Vorschlag gebracht hatte.
Kanonikus Raster wurde am 5. Mai 1979 in Pischelsdorf beerdigt. Den Kondukt führte
Generaldechant Johann Ludwig.
Der Lebensstil Alois Rasters war gekennzeichnet von großer Einfachheit. Der einfachen
Bevölkerung, vor allem den Notleidenden und Flüchtlingen, galt auch in besonderer Weise
seine priesterliche Zuwendung. Seine Gastfreundschaft war geradezu sprichwörtlich. Sein
Wesen war auch geprägt von Witz und Humor, der vor allem bei priesterlichen Konventen zum
Tragen kam. Daß Raster trotz schwächlicher Gesundheit ein hohes Alter erreichte, ist
seiner gesunden Lebensweise und seinen vielen Kneippkuren, denen er sich unterzog,
zuzuschreiben.
Das vorbildliche priesterliche Wirken Rasters wurde mehrfach durch Auszeichnungen
gewürdigt.
Auszeichnungen:
Geistlicher Rat (24. 12. 1946); Konsistorialrat (15. 12. 1956); Ehrenkanonikus (1. 1.
1963); Ehrenbürger von Pischelsdorf; Verleihung der Kulturmedaille der Stadt Wels.
VERÖFFENTLICHUNG:
Beiträge zum sozial-karitativen Wirken der Kreuzschwestern in Wels (Diplomarbeit),
Linz-Graz 1971.
QUELLE:
Die Linzer Ehrendomherren, in: Neues Archiv für die
Geschichte der Diözese Linz 6 (1989/1990) (mit weiterführenden Literaturangaben)
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