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Ernest Maria Müller (1822-1888)
Bischof von Linz
Ernest Müller wurde am 30. Juni 1822 in Irritz
bei Misslitz (Jirice u Miroslavi), Mähren, geboren. Der Sohn
eines Volksschullehrers besuchte das Gymnasium in Nikolsburg
und studierte anschließend Theologie in Wien (1843-1846).
Nach der Priesterweihe am 19. Juli 1846 wirkte Müller ein
Jahr als Kooperator in Preßbaum, 1847 wurde er Studienpräfekt
und 1849 Subrektor am Wiener Priesterseminar sowie Supplent
für Erziehungskunde. 1853 Promotion zum Dr. theol., 1857 Berufung
zum a.o. und 1858 zum o. Professor der Moraltheologie an der
Theologischen Fakultät der Universität Wien. 1861 wurde er
Dekan des Professorenkollegiums, 1863 zugleich des Professoren-
und Doktorenkollegiums. Bekannt wurde Müller durch sein ab
1868 erscheinendes dreibändiges Werk "Theologia moralis",
das zehn Auflagen erlebte. 1863 wurde Müller zum Regens des
Wiener Priesterseminars bestellt, 1864 zum Ehrendomherrn ernannt;
1868 wurde er "canonicus universitatis" des Metropolitankapitels
bei St. Stephan. Nun legte er seine Professur zurück.
Die Ernennung des angesehenen Moraltheologen
zum Bischof von Linz durch Kaiser Franz Joseph am 17. Februar
1885 kam für viele überraschend (Bischofsweihe in Wien am
26. April 1885 durch Kardinal Cölestin Ganglbauer, Inthronisation
in Linz 3. Mai 1885). Müller erwies sich als eine Kraft des
Ausgleichs und leistete einen wichtigen Beitrag zur Beendigung
der Konflikte zwischen Kirche und Liberalismus. Schon 1885
ordnete der Bischof die Führung von Pfarrchroniken verpflichtend
an. Unter ihm machte der Dombau gute Fortschritte (1885 Einweihung
des Presbyteriums, 1886 Beginn des Turmbaus).
Das 100-Jahr-Jubiläum der Diözese 1885 hielt
Müller bereits im Neuen Dom ab, wobei Anton Bruckner ebenso
die Orgel spielte wie auch am 29. September 1887 beim 25-Jahr-Jubiläum
der Grundsteinlegung des Neuen Domes. In diesem Jahr erließ
Müller, ermutigt durch ein römisches "regolamento"
und beeinflußt vom Kirchenmusiker Johann Ev. Habert, eine
Verordnung über die Kirchenmusik, in der er sich entgegen
den Bestrebungen des Allgemeinen Deutschen Cäcilienvereins
(ACV) für den figurierten mehrstimmigen Gesang und die Instrumentalmusik
aussprach. Der musikalisch begabte Bischof förderte den Oberösterreichischen
Cäcilienverein (OÖCV) und unterstützte auch den Komponisten
Habert.
Einen wesentlichen Beitrag leistete Müller
zum Aufschwung der Herz-Jesu- und Herz-Mariä-Verehrung in
der Diözese. Müller starb am 28. September 1888 nach längerer
Krankheit in Linz und wurde im Neuen Dom beigesetzt.
Schriften: Theologia moralis, 3 Bde. (Wien
1869/76; Bde. 1 u. 2 21899; Bd. 3 61895).
Literatur: J. B. Burgstaller, Bischof Ernest
Maria und die Kirchenmusik, in: Christliche Kunstblätter 29
(1888). – A. Hartl, Joh. Ev. Habert – Organist in Gmunden,
Wien 1900, bes. 489-499. – L. Mathias, Das Wiener Priesterseminar.
Mschr. Diss. Wien 1975, 149-244. – J. Ruhsam, Der Linzer
Bischof Dr. E. M. Müller als theologischer Schriftsteller.
Mschr. Diplomarbeit. Linz 1981. – J. Lenzenweger, E. M. Müller,
in: R. Zinnhobler (Hg.), Die Bischöfe von Linz, 147-197. –
R. Zinnhobler (Hg.), Ein Bericht des Linzer Domkapellmeisters
Johann B. Burgstaller über A. Bruckner [1909], in: NAGDL 4
(1985/86), 229-231. – R. J. Dessl, Die Herz-Jesu-Verehrung
in Oberösterreich im 18. und 19. Jahrhundert, in: Jahrbuch
des OÖ. Museal-Vereins 132/1 (1987), 81-136. – R. Zinnhobler,
Müller, Ernest Maria, in: U. Harten (Hg.), Bruckner, 294.
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