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Johann Gütlinger (*1915)
Ehrendomherr der Diözese Linz
* 15. 4. 1915 Peuerbach
Bischöfliches Gymnasium (Kollegium Petrinum) in Linz 1927-1935
Theologiestudium in Linz bzw. Wilhering 1935-1941
Priesterweihe am 30. 6. 1940, Linz
1941 Kooperator (Ferialkaplan) in Maria Neustift
1941 Kooperator in Leonding
1941-1944 Pfarrvikar in Burgkirchen
1944-1947 Pfarrprovisor in Schönau b. Wels (heute: Bad Schallerbach)
1947-1953 Pfarrer in Schönau b. Wels
1950-1953 Kämmerer des Dekanates Wels
1953-1987 Pfarrer in Bad Kreuzen
1963-1972 Kämmerer des Dekanates Pabneukirchen
1972-1974 Dechant des Dekanates Pabneukirchen
1974-1985 Dechant des Dekanates Grein
1976 Provisor excurrendo von St. Georgen a. Wald
1976 Provisor excurrendo von Waldhausen
1976 Provisor excurrendo von St. Nikola
1977-1987 Kreisdechant für das Mühlviertel
Johann Gütlinger wurde am 15. April 1915 als ältestes von
fünf Geschwistern in Bruck-Waasen (Pfarre Peuerbach) geboren,
wo er auch die Volksschule besuchte. Der Vater, Johann Gütlinger
(* 22. 10. 1877, +3. 8. 1962 Peuerbach), war "Bauer und
Empiriker" und stammte aus Kallham, die Mutter, Anna
(geb. Reisinger, *4. 3. 1890, +17. 12. 1962 Peuerbach), aus
Grieskirchen.
Von 1927 bis 1935 besuchte Gütlinger das bischöfliche Gymnasium
Kollegium Petrinum (Matura: 13. Juni 1935) und trat anschließend
in das Priesterseminar in Linz ein. Studienbetrieb und Seminar
waren seit 1938 durch die Beschlagnahme des Hauses in der
Harrachstraße 7 durch Einheiten der Deutschen Wehrmacht der
SA-Gruppe Alpenland und der Polizei zunehmend eingeschränkt.
1939 mußte das Seminar in das Stift Wilhering übersiedeln.
Diözesanbischof Gföllner erteilte Gütlinger am 30. Juni 1940
im Neuen Dom zu Linz die Priesterweihe. Ein Jahr später schloß
der Alumnatspriester das philosophisch-theologische Studium
mit dem Absolutorium (25. Juni 1941) ab.
Den ersten Seelsorgeposten trat Gütlinger mit 1. Juli 1941
in Maria Neustift an, schon mit 1. November d.J. wurde er
aber zum Kooperator in Leonding bestellt. Bereits eine Woche
später mußte er die Pfarrvikarstelle in Burgkirchen übernehmen,
da der dortige Pfarrer Johann Hofbauer Ende Oktober 1941 von
den Nationalsozialisten in Haft (30. Oktober 1941 - 4. Mai
1945) genommen wurde.
Mit 1. Juli 1944 wurde Gütlinger zunächst Provisor und am
15. Jänner 1947 dann Pfarrer in Schönau b. Wels (1948 erfolgte
die Umbenennung der Gemeinde: seither Bad Schallerbach). Hier
folgte er Matthias Koller, dem Katecheten Adolf Hitlers in
Leonding, im Pfarreramte nach (Pensionierung 1944). Während
der Amtszeit Gütlingers erfolgten verschiedene Erneuerungsarbeiten
an Kirche (Turm und Orgel) und Pfarrhof, die Friedhofserweiterung
und der Neubau der Leichenhalle, Verhandlungen um ein Grundstück
für den Kirchenneubau in Bad Schallerbach sowie die Eröffnung
eines pfarrlichen Kindergartens 1945 (Neubau 1949). Seinem
historischen Interesse verdankt die Pfarre auch eine quellenmäßig
belegte Darstellung ihrer Geschichte sowie eine Publikation
über die dortige Schwefeltherme.
Im Frühjahr 1950 wurde Gütlinger mit den Aufgaben eines Kämmerers
des Dekanates Wels betraut.
Nach dem Tod des bekannten Volksschriftstellers und Pfarrers
von Bad Kreuzen Franz Xaver Singer (+ 4. Jänner 1953) bewarb
sich Gütlinger um diese Pfarre (4. Februar 1953). Das Bischöfliche
Ordinariat präsentierte Gütlinger am 30. März dem Patronatsinhaber
(Herrschaft Greinburg: de facto die russische Besatzungsmacht),
der den Vorschlag "ohne Einwendungen" zur Kenntnis
nahm. Als die "geplante Versetzung" Gütlingers bei
der Bevölkerung von Bad Schallerbach bekannt wurde, war die
Bestürzung groß. Der Bürgermeister der Marktgemeinde intervenierte
am 30. April d.J. mit bewegten Worten bei Bischof Fließer,
Gütlinger an seinem bisherigen Wirkungsort, wo er die "Sympathie
der gesamten Bevölkerung" und die "Unterstützung
des Gemeindeausschusses" gewonnen hatte, zu belassen.
"Herr Pfarrer Gütlinger", so führte der Bürgermeister
aus, "hatte anläßlich seiner Bestellung außerordentlich
schwierige Verhältnisse in der Pfarrei vorgefunden. Die Kirche
und die Paramente zeigten ein erschreckendes Maß an Verwahrlosung.
Der Pfarrhof selbst war heruntergewirtschaftet und ausgeplündert.
Seelsorgerisch waren große und schwere Fehler geschehen, deren
Behebung im Interesse des religiösen Lebens und sittlichen
Niveaus unserer Gemeinde vordringlich waren. Herr Pfarrer
Gütlinger hat mit unbeschreiblicher Energie, nicht ermüdender
Tatkraft alle diese Probleme in Angriff genommen und sie auch
in kürzester Zeit gelöst". Der Bischof bemerkte in seinem
Antwortschreiben an den Bürgermeister, daß er die vorgebrachten
Gründe verstehe, daß aber "die Dinge schon zu weit gediehen
(seien), als daß sie noch rückgängig gemacht werden könnten",
und daß die Pfarre Kreuzen "einen ähnlichen ausgezeichneten
Seelsorger verdient, wie sie ihn in dem verewigten Pfarrer
Singer gehabt hat". Der Bischof unterrichtete Pfarrer
Gütlinger darüber und schloß mit den Worten "So und nun
handle. Persönlich gebe ich Dir den Rat: Bleib fest!"
Am 15. Mai wurde Gütlinger auf die Pfarre Kreuzen investiert
und am 19. Juli 1953 installiert. In der neuen Pfarre ging
Gütlinger mit großem Elan und Geschick an die vielen Erneuerungsaufgaben
heran. Durch Parzellierung und Aufschließung von Pfarrhofgründen
- wofür die Zustimmung Roms notwendig war - konnte der Ortskern
bedeutend erweitert und vielen Familien zu günstigen Bedingungen
eine Siedlungsmöglichkeit geboten werden. Die Bereitstellung
eines Grundstückes für die Errichtung eines Kurhauses (1972)
und die Gewinnung der Marienschwestern zum Bau und zur Führung
der Kneipp-Anstalt brachten einen Aufschwung von Kreuzen.
Noch 1954 erfolgte der Umbau des Pfarrhofes, dann des Pfarrheimes
(1955) und die Gründung einer Pfarrbibliothek (1955). Die
Auflösung der Landwirtschaft machte Mittel für den Bau des
Pfarr- und Jugendheimes flüssig. Die seelsorgliche Arbeit
wurde u.a. durch regelmäßige Jugendmessen sowie Exerzitien
in der Fastenzeit belebt. Zwischen 1955 und 1966 wurden im
Pfarrhof zahlreiche Jugendwochen für Jungschar- und Ministrantengruppen
der Diözese veranstaltet.
Mehrfache Renovierungen und Umbauten an und in der Pfarrkirche
im Sinne der Liturgiekonstitution des 2. Vatikanischen Konzils
(drei Kirchenfenster gestaltete Margret Bilger, Altarraumgestaltung
von Jakob Kopp), eine Friedhofserweiterung, die Errichtung
eines Kriegerdenkmals und einer Aufbahrungshalle waren durchzuführen.
Seit 1956 wird ein besonderer caritativer und pastoraler Einsatz
für die vielen Flüchtlinge (Ungarn, CSFR, Uganda, Polen, Rumänien,
Jugoslawien) geleistet.
Vielfältige überpfarrliche Aufgaben wurden Gütlinger übertragen:
1963-1972 war er Kämmerer, dann 1972-1974 Dechant des Dekanates
Pabneukirchen; nach der Neugliederung der Dekanate war er
Dechant des Dekanates Grein (1974-1985); zweimal wurde er
zum Kreisdechant für das Mühlviertel bestellt (1977 und 1982).
Die Gemeinde Bad Kreuzen hatte Gütlinger für seine Initiative
um das Gemeinwohl bereits mit 1. Juli 1965 zum Ehrenbürger
ernannt, Diözesanbischof Maximilian Aichern nahm ihn in Anerkennung
seines "überaus eifrigen Wirkens als Priester und Seelsorger"
unter die Ehrenkanoniker des Linzer Kathedralkapitels auf.
Als solcher wurde er am 4. Mai 1983 in der bischöflichen Hauskapelle
investiert.
Mit 31. August 1987 hat Johann Gütlinger auf die Pfarre Kreuzen
resigniert, er wohnt aber weiterhin in der Pfarre, die er
so nachhaltig mitgeprägt hat.
Auszeichnungen:
Bischöflicher Geistlicher Rat (1952); Bischöflicher Konsistorialrat
(1967); Ehrenkanonikus (1983); Ehrenbürger der Gemeinde Bad
Kreuzen (1965).
QUELLE:
Die Linzer Ehrendomherren, in: Neues
Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 6 (1989/1990)
(mit weiterführenden Literaturangaben)
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