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Woldemar Theodor Großmann (1870-1942)

Ehrendomherr der Diözese Linz

* 28. 6. 1870 Engelhartszell
+ 15. 5. 1942 Frankenburg

Gymnasium in Linz-Freinberg 1882-1890
Theologiestudium in Linz 1890-1894
Priesterweihe am 30. 7. 1893, Linz

1894-1896 Stadtpfarrkooperator in Gmunden
1896-1919 Stadtpfarrkooperator in Steyr
1897-1919 Redakteur der "Steyrer Zeitung"
1919-1940 Pfarrer in Taufkirchen/Pram
1940-1942 Pension in Frankenburg

Woldemar Theodor Großmann wurde am 28. Juni 1870 auf dem Wirtschaftshofe des damals aufgehobenen Klosters Engelszell (dem heutigen Fürsorgeheim) geboren. Großmann selbst verwendete als seinen Rufnamen stets seinen zweiten Vornamen Theodor.
Großmanns Vater, Adam Theodor Woldemar, stammte aus einer Gutsbesitzerfamilie aus Sachsen. Am 1. März 1870 heiratete er 28jährig die Gastwirts- und Schiffsmeisterstochter Therese Staininger (* 13. 2.1851) aus Engelhartszell. 1881 trat Adam Theodor Großmann vom evangelischen zum katholischen Glauben über.

Auf Wunsch von Bischof Franz Maria Doppelbauer übernahm Kooperator Großmann mit 1. Jänner 1897 die Schriftleitung des Wochenblattes "Steyrer Zeitung", die er mit großem Erfolg führte. Häufig wird er auch als zweiter Gründer dieser Zeitung bezeichnet. Er erwarb sich besondere Verdienste bei der Ausgestaltung der Druckerei (Ankauf eines neuen Hauses und einer großen Rotationsmaschine). Seine Tätigkeit als Redakteur brachte ihm aber auch den Haß der politischen Gegner ein. Bei einem Aufmarsch am 9. Jänner 1919 forderten sozialistische Arbeiter die Entfernung des Redakteurs - er wurde in Form einer Puppe symbolisch gehängt. Auf Wunsch seines Vorgesetzten, des Stadtpfarrers Ehrenkanonikus Johann Strobl, verließ Großmann am 10. Jänner - getarnt durch einen Krankentransport - die Stadt Steyr.

Mit 16. September 1919 wurde Theodor Großmann auf die Pfarre Taufkirchen an der Pram investiert. Hier mußte er nach dem Einsturz des Kirchturmes am 16. Oktober 1922 diesen wiederaufbauen, an den Fundamenten der Kirche Sicherungsarbeiten durchführen und den Friedhof neu anlegen; 1924 konnte er die Erneuerungsarbeiten an der Kirche mit der Anschaffung einer neuen Orgel abschließen.
In Würdigung der besonderen Verdienste, die sich Pfarrer Großmann ehemals in seiner langjährigen Tätigkeit als Redakteur und schließlich in der "überaus eifrigen" Seelsorge erwarb, ernannte ihn Bischof Gföllner mit 15. Juni 1935 zum Ehrenkanonikus (Verleihung der Insignien am 8. Juli).

Als Pfarrer von Taufkirchen kam Großmann in Konflikt mit den Nationalsozialisten. Am 22. Dezember 1939 wurde er von der Gestapo verhaftet und am 28. März 1940 von einem Sondergericht zu vier Monaten Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt. Pfarrer Großmann hatte sich während einer Beichte abfällig über die bloße Zivilehe geäußert. Laut Urteilsspruch vom 28. März 1940 hatte der Angeklagte Großmann "als Beichtvater seine Stellung im Beichtstuhl zu Beschimpfungen des Beichtkindes und ... zu Drohungen ... mißbraucht und außerdem noch die staatliche Führung und staatliche Einrichtungen gröblich herabgesetzt" ... "Wenn Angeklagter, trotzdem er sich dessen bewußt war, zu den inkriminierten Äußerungen sich hinreißen ließ, so ist dies eben aus seiner impulsiven kämpferischen Natur und seinem Ärger zu erklären, so daß er auf die möglichen Folgen seiner Tat keine Rücksicht nahm". Mildernd für die Strafbemessung war neben dem hohen Alter und der leichten Erregbarkeit wegen des labilen Gesundheitszustandes auch der Umstand, "daß Angeklagter infolge seiner streng katholischen Erziehung im Sinne des kämpferischen Katholizismus und seiner Vergangenheit im hohen Alter gesinnungsmäßig sich nicht mehr umstellen konnte". Er wurde am 23. April 1940 enthaftet, erhielt aber Kreisverbot.

Mit 1. Juli 1940 wurde Großmann in den Ruhestand versetzt, den er im Benefiziatenhaus in Frankenburg verbrachte. Er starb am 15. Mai 1942 an Herzmuskelschwäche. Wegen seines Kreisverbotes durfte er nicht in seiner Pfarre Taufkirchen/Pram beigesetzt werden. Erst am 3. August 1948 wurde Ehrenkanonikus Großmann von Frankenburg nach Taufkirchen überführt und im Grab seiner Mutter, die ihren Lebensabend bei ihm im Pfarrhof verbracht hatte, beigesetzt.

Auszeichnungen:
Geistlicher Rat (1. 7. 1904); Konsistorialrat (18. 2. 1919); Ehrenkanonikus (15. 6. 1935). 

QUELLE:
Die Linzer Ehrendomherren, in: Neues Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 6 (1989/1990) (mit weiterführenden Literaturangaben)

 
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