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Josef Grosam (1874-1947)

Ehrendomherr

* 15. 10. 1874 Schweißing, Erzdiözese Prag
+ 25. 10. 1947 Linz

Gymnasium Brüx 1885/86, Staatsgymnasium Linz 1886-1893
Theologiestudium in Linz 1893-1897
Priesterweihe am 27. 2. 1897, Linz

1897 Kooperator in Reichenthal
1897-1902 Präfekt am Kollegium Petrinum (der Vorbereitungsklasse und der I. A Klasse), Lehrer der Stenographie, Kalligraphie, zugleich supplierender Domprediger
1902 Kooperator in Oberkappel
1902-1904 Kaplan am Institut S. Maria dell'Anima in Rom
1904-1909 Institutsseelsorger und Religionslehrer in der Privat-Lehrerinnenbil- dungsanstalt und Mädchenschule der Armen Schulschwestern in Vöcklabruck
1909-1912 Spiritual des Priesterseminars
1909 Lehrer der Liturgik an der theol. Diözesanlehranstalt Linz
1909-1912 Religionslehrer am Mädchen-Lyzeum in Linz
1912-1913 supplierender Professor der Philosophie und Fundamentaltheologie an der theol. Diözesanlehranstalt
1912-1915 stellvertretender Rat des geistlichen Ehegerichtes
1913-1920 Bischöflicher Kommissär für die Inspektion des Religionsunterrichts am Kollegium Petrinum
1913-1918 Wirkl. Professor der Philosophie und Fundamentaltheologie an der theo- logischen Diözesanlehranstalt in Linz
ab 1914 Schriftführer des Diözesanausschusses der St. Michaels-Bruderschaft
1915 Rat des geistlichen Ehegerichts
ab 1916 Direktor des Spitals der Barmherzigen Schwestern in Linz
ab 1916 Beirat für die Temporalien-Administration der Diözesanseminarien
1918-1945 Professor der Moraltheologie an der theologischen Diözesanlehranstalt
1917-1945 Prosynodalexaminator
1918 Beirat pro administratione bonorum temporalium am Kollegium Petri- num
1918-1945 Prosynodalrichter des Kirchl. Diözesangerichts
1918-1920 Inspektor des Religionsunterrichts am Staatsgymnasium in Linz und am Gymnasium in Freistadt
1933-1945 Vorsitzender der Prüfungskommission für Hauptschul-Religionslehrer
1941 Bischöflicher Sozialbeauftragter für die Diözese Linz
1942 Beirat pro administratione bonorum temporalium für das Priester- seminar
1943-1945 Beirat pro administratione bonorum temporalium des Knabenseminars

Josef Grosam wurde wie sein jüngerer Bruder, Ehrendomherr Wenzel Grosam, in Ostrowitz geboren. Der Vater, Thomas Grosam (+ 1908 im 70. Lebensjahr in Linz), war Bauer in Ostrowitz (Schweißing), ehe die Familie über Brüx, dem Mittelpunkt des Braunkohlenbergbaus in Nordwestböhmen, 1886 nach Oberösterreich kam und sich in Wilhering ansiedelte. Die Mutter Maria (geb. Niesta, * 23. 3. 1845, + 12. 12. 1937 in Linz) war ebenfalls eine Bauerstochter. Der Familie entstammten vier Kinder: Die beiden Söhne, Josef und Wenzel, ergriffen den Priesterberuf, die beiden Töchter, Elise und Anna, wirkten in der Jugendfürsorge. Als die Söhne das Studium beendet hatten, übersiedelten die Eltern von Wilhering nach Linz in den Ruhestand.

Josef Grosam, der das Staatsgymnasium mit Auszeichnung beendet hatte, kam 1902 als Kaplan an die "Anima" in Rom und erwarb an der päpstlichen Fakultät das Doktorat des kanonischen Rechts.
Neben seiner Lehrtätigkeit an der theologischen Diözesanlehranstalt wirkte Grosam ab 1916 auch als Direktor des Spitals der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul. Hier ließ er 1925-1927 den Nordosttrakt bauen, womit sich der Bettenstand von 300 auf 468 erhöhte. Dieser Bettenstand erforderte wiederum die Anpassung der übrigen Wirtschaftsgebäude. 1937 wurde das Wohngebäude für die Schwestern neu erbaut, 1941-1942 wurde als "Notbauprogramm" auf dem Mitteltrakt eine Mansardenkrankenabteilung aufgesetzt.
Als Professor war Grosam fast 30 Jahre lang Mitherausgeber der Theologisch-praktischen Quartalschrift. Er verfaßte zahlreiche Abhandlungen, hauptsächlich aus dem Gebiet der Moraltheologie und Sozialwissenschaften, die auch über den Leserkreis der Quartalschrift hinaus Beachtung fanden.

In den letzten Lebensjahren arbeitete Grosam trotz seiner geschwächten Gesundheit noch an einem Buch über die Nächstenliebe, das er jedoch nicht mehr vollenden konnte.
Am 24. Dezember 1942 wurde er zusammen mit Josef Bamberger und Josef Birgmann, vor allem wegen seiner "aszetischen Führung der Priesterjugend in den beiden Seminarien", zum Ehrendomherrn ernannt.
Josef Grosam verschied am 25. Oktober 1947 im Spital der Barmherzigen Schwestern in Linz nach kurzer Krankheit an den Folgen eines Schlaganfalles.

Auszeichnungen:
Geistlicher Rat (21. 3. 1910); Ehrenkanonikus (24. 12. 1942); Silberne Ehrenmedaille mit der Kriegsdekoration (1917).

VERÖFFENTLICHUNGEN (Auswahl):
Die Brevierreform Pius X. und die neuen Rubriken, in: ThPQ 65 (1912), 288-325.
Die kirchlichen Bestimmungen über Blumen als Altarschmuck, in: ThPQ 69 (1916), 699-704.
Die Sterilisation auf Grund privater Autorität und auf Grund gesetzlicher Ermächtigung, in: ThPQ 83 (1930), 59-79, 285-306, 497-523, 701-722.
Lehren der Enzyklika "Casti Conubii" über Sterilisation und Eugenik, in: ThPQ 84 (1931), 783-788.
Ungerechter Bankgewinn, in: ThPQ 86 (1933), 133-146.
Brandschäden und Moralfragen, die damit zusammenhängen, in: ThPQ 87 (1934), 281-292, 527-545, 758-780 und ThPQ 88 (1935), 91-107.
Selbstmord und kirchliches Begräbnis, in: ThPQ 90 (1937), 233-253.
Die soziale Gerechtigkeit im Sinne der Enzyklika Quadragesimo anno, in: ThPQ 91 (1938), 40-57, 258-271, 483-501.
Zweifel an der Gültigkeit einer Priesterweihe, in: ThPQ 92 (1939), 468.

QUELLE:
Die Linzer Ehrendomherren, in: Neues Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 6 (1989/1990) (mit weiterführenden Literaturangaben)

 
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