AktuellesKontaktPublikationenBeständeDiözesanChronikDAL-ServiceE-mail an archiv@dioezese-linz.atDiözesanArchiv Linz
  
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

<- zurück zu den Biografien

Wenzel Grosam (1877-1942)

Ehrendomherr der Diözese Linz
Regens des Priesterseminars

* 11. 10. 1877 in Schweißing, Erzdiözese Prag
+ 29. 7. 1942 in Bach bei Schwanenstadt

Staatsgymnasium in Linz 1888-1896
Theologiestudium in Linz 1896-1897 und Collegium Germanicum in Rom 1897-1903
Priesterweihe am 28. 10. 1902, Rom

1903-1904 Stadtpfarrkooperator in Enns
1904-1916 Bischöflicher Ordinariatssekretär
1905-1908 Domprediger
1906-1908 Subpromotor im Päpstlichen Seligsprechungsprozeß in der Causa Rudigier
1909-1916 Beirat für die Temporalien-Administration der beiden Diözesan- Seminarien
1909-1911 Suppl. Professor für Kirchenrecht an der theologischen Diözesan- lehranstalt
ab 1910 Zweiter Procurator fiscalis des geistlichen Gerichts in kirchlichen Streit- und Strafsachen
1911-1916 Wirkl. Professor des Kirchenrechts
ab 1912 Mitglied des Dombaukomitees
1915-1942 Professor der Pastoraltheologie
1915-1933 Professor der Homiletik
1915-1921 Rat des Geistlichen Ehegerichts
1916-1942 Regens des Priesterseminars
1916-1938 Redakteur der Theologisch-praktischen Quartalschrift
1918-1928 Promotor iustitiae des kirchlichen Diözesangerichts
ab 1922 Mitglied des Beirates pro disciplina des Diözesanknabenseminars
ab 1925 Mitglied des Diözesanrates des Katholischen Schulvereines
ab 1926 Prosynodalexaminator
1926-1931 Subpromotor fidei im 2. Teil des Päpstlichen Seligsprechungsprozesses in der Causa Rudigier
1936-1942 Visitator der österreichischen Knaben- und Priesterseminarien
1938-1942 Dekan der Philosophisch-Theologischen Lehranstalt

Wenzel wurde als zweites Kind (zu den Eltern Wenzel Grosams vgl. den Abschnitt über Josef Grosam) in Ostrowitz, Pfarre Schweißing in Westböhmen, geboren. Um den beiden Söhnen Josef und Wenzel das Studium zu ermöglichen, beschloß der Vater, sein Haus zu verkaufen und in die Stadt zu ziehen. Der Erlös aus diesem Verkauf sollte als Studienfonds für die Söhne verwendet werden. Da sich die zunächst als Wohnort gewählte Stadt Brüx mit ihren Kohlengruben als gesundheitsgefährdend erwies, wanderte die Familie nach Oberösterreich aus und ließ sich nach kurzem Aufenthalt in Ried i. I. und in Wilhering zuletzt in Urfahr nieder.

Nach der Volksschule in Urfahr besuchte Wenzel Grosam das Staatsgymnasium in Linz und war von der 3. Klasse an Zögling des Studentenkonviktes Salesianum. Der Direktor und die Professoren des Gymnasiums förderten den eifrigen Schüler in großzügiger Weise. Das 1. Jahr nach der Matura verbrachte Wenzel Grosam im Priesterseminar Linz, dann schickte ihn Bischof Doppelbauer in das Collegium Germanicum nach Rom, wo er 1899 das Doktorat in Philosophie und 1903 inTheologie erwarb.
Als Ordinariatssekretär und Professor des kanonischen Rechtes hatte Dr. Wenzel Grosam wiederholt Gelegenheit, in wichtigen Fragen seine meist entscheidenden Gutachten abzugeben. In seine Zeit fiel auch die Entscheidung der Eigentumsfrage hinsichtlich des Linzer Friedhofs, der dem kirchlichen Barbarafonds zugesprochen wurde.
Als im Jahre 1915 der damalige Pastoralprofessor Dr. Johannes Gföllner Bischof von Linz wurde, ernannte er Dr. Wenzel Grosam zu seinem Nachfolger in der Professur. Bald darauf wählte ihn das Professorenkollegium zum zweiten und etwas später zum ersten Redakteur der Linzer Theologisch-praktischen Quartalschrift.

Mit 15. Juli 1916 berief der Bischof Grosam zum Regens in das Priesterseminar, das er in einzigartiger Weise leitete. Unter ihm bekam das Alumnat in der Auffassung der Theologen einen anderen Charakter, es war nicht mehr bloß Erziehungsanstalt, sondern begann Vaterhaus und Heimat zu werden. Regens Grosam war der geborene Erzieher, eine ausgezeichnete Führungspersönlichkeit, das Wohl der Studenten war ihm sein größtes Anliegen.
Sein Wirken als Regens fand auch nach außen Anerkennung. Am 21. Juni 1936 wurde er zum Visitator der österreichischen Knaben- und Priesterseminarien bestellt. Bereits mit 22. September 1921 war er zusammen mit Franz Stadler zum Ehrendomherrn ernannt worden.
Das neue kirchliche Gesetzbuch, das 1918 in Kraft trat, schrieb für die wissenschaftliche Ausbildung der Priester zum vierjährigen Studium der theologischen Fächer zusätzlich ein zweijähriges philosophisches Studium vor und verlängerte somit das Studium auf sechs Jahre. Damit wurde eine Erweiterung des Seminars erforderlich, da in Zukunft mit einer erhöhten Alumnenzahl zu rechnen war.
Mit dem Studienjahr 1930/31 setzte der neue Lehrplan voll ein - aus der theologischen Diözesanlehranstalt wurde die "philosophisch-theologische Lehranstalt".
Der notwendige, nunmehr vierte Umbau des Seminars wurde finanziell dadurch ermöglicht, daß das Magistrat Linz zum Bau einer neuen Straße, der Dametzstraße, ein Grundstück vom Priesterseminar erwarb.
Das Bundesministerium für soziale Verwaltung gewährte die Baumittel nach dem Wohnbauförderungsgesetz zur Errichtung eines "Ledigenheimes". Damit sollte für die Theologen eine größere Anzahl von Einzelzimmern (zusätzlich 52) und ein selbständiger Wohnbau für das Personal geschaffen werden. Die Verbindung der beiden Bauten bezahlte der Bauherr aus eigenen Mitteln. Die Bauarbeiten begannen zu Ostern 1931, die Dachgleiche des Neubaus konnte bereits im Juni desselben Jahres erreicht werden; in den Sommerferien wurden die Verbindungsbauten zwischen dem alten und neuen Seminargebäude hergestellt, und am 14. Dezember 1931 erteilte das Magistrat die Bauvollendungsbescheinigung und Benützungsbewilligung. Aus gesundheitlichen Gründen wurde der fertige Bau jedoch im Winter nicht mehr bezogen. Die Einweihung des Ledigenheimes wurde am 21. April 1932 nur im engsten Kreis gefeiert. Die Einrichtungen des Hauses hat Dr. W. Grosam vielfach aus eigenen Mitteln verbessert und verschönert. Durch seine Bemühungen kam die Restauration der Seminarkirche zustande, er beschaffte die neue Orgel und besorgte auch die Einrichtung des neuen Kapellenraumes im 3. Stockwerk des Priesterseminars. 1936/37 wurde dem Priesterseminar noch ein kleiner Trakt für das Personal und für die Katholische Schriftenmission (heute "Veritas") angeschlossen.
Im Zweiten Weltkrieg mußte Regens Grosam die Übersiedlung des Seminars aus dem eigenen Haus in der Harrachstraße nach Wilhering mitmachen, wo die provisorischen Verhältnisse oft schwere Sorgen bereiteten. Er war stets besorgt um seine Theologen, die im Arbeits- und Wehrdienst standen. Wie beliebt der Regens wirklich war, zeigen die zahlreichen Briefe, die er von seinen Soldaten aus der Front erhielt; Regens Grosam schrieb jedem zurück.

Als bei Grosam 1942 Herz- und Atembeschwerden auftraten, schickte ihn sein Arzt nach einer mehrwöchigen Behandlung zur Erholung aufs Land. Gegen Ende seines Aufenthaltes in Bach bei Schwanenstadt erlitt er jedoch einen unerwarteten Schlaganfall. Wenzel Grosam starb am 29. Juli 1942 an den Folgen dieses Anfalls. Sein Leichnam wurde nach Linz überführt und in der Grabstätte des Priesterseminars beigesetzt.

Von den 40 Jahren seines Priesterlebens wirkte Grosam 33 Jahre als Theologieprofessor und 26 Jahre als Regens des Priesterseminars. Wiederholt kam Wenzel Grosam auch als Kandidat für Bischofsstühle in Österreich in Betracht, er hatte aber jedesmal entschieden abgelehnt.

Auszeichnungen:
Geistlicher Rat (8. 10. 1907);
Konsistorialrat (22. 12. 1916);
Ehrenkanonikus (22. 9. 1921);
Päpstlicher Hausprälat (14. 10. 1927).

VERÖFFENTLICHUNGEN (Auswahl):
Die Linzer Friedhoffrage, Linz 1907.
Die Ehegesetze, Linz 1912.
Die gesetzliche Werdung der Haager Ehekonvention in Österreich, in: LVBl. 45 (1913), Nr. 145-147.
Die leitenden Gedanken in den Reformen Pius X., in: Katholische Schulblätter 1914, Nr. 8-10.
Vom Ärgernis des Krieges. Predigt gehalten bei der Linzer Kriegswallfahrt auf den Pöstlingberg, Linz 1916.
Der religiöse Zweifel, in: Katholische Schulblätter 1920.
Die Stillpflicht der Mutter, Düsseldorf 1924.
Aus der Baugeschichte des Linzer Priesterseminars. Sonderdruck aus dem LVBl. 1932, Linz 1932.
Zur Geschichte der Priesterbildung im Lande ob der Enns, in: LVBl. 1935, Nr. 225.

In der Theologisch-praktischen Quartalschrift behandelt Wenzel Grosam meist pastorale Fragen

QUELLE:
Die Linzer Ehrendomherren, in: Neues Archiv für die Geschichte der Diözese Linz 6 (1989/1990) (mit weiterführenden Literaturangaben)

 
^ Nach oben | < zurück | Drucken... © Diözesanarchiv Linz