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Joseph Anton Gall (1748-1807)
Bischof von Linz
Joseph Anton Gall wurde am 27. März 1748 in der damals freien
Reichsstadt Weil der Stadt (Schwaben) als fünftes von elf Kindern des
Tuchhändlers, Tabakfabrikanten und Bürgermeisters Anton Gall und seiner
Ehefrau Katharina Beyerle geboren. Er besuchte das Gymnasium in Augsburg,
studierte 1767-1768 in Heidelberg Philosophie (Bacc., Mag. phil.) und
Theologie und trat dann in das Priesterseminar zu Bruchsal ein, wo er
am 13. Juni 1772 zum Priester für die Diözese Speyer geweiht wurde. 1773
ging er nach Wien, um bei dem aufgeklärten Pädagogen Johann Ignaz von
Felbiger, Abt von Sagan, die "Normalschulmethode" zu studieren.
Felbiger vermittelte ihn später als Religionslehrer an die k.k. Normalschule
bei St. Anna in Wien. 1778 zum Hofkaplan ernannt, wurde Gall 1780
Pfarrer in Burgschleinitz sowie 1784 Schulenoberaufseher für alle deutschen
Schulen Niederösterreichs. Als solcher führte er verschiedene Reformmaßnahmen
im Geiste der Aufklärung durch. 1787 wurde er von Kaiser Joseph II. zum Domscholaster von St. Stephan in Wien und am 12. Mai 1788 zum Bischof
von Linz ernannt. Die kanonische Institution folgte am 15. Dezember, die
Konsekration durch Kardinal Christoph v. Migazzi am 8. Februar und die
Inthronisation am 1. März 1789.
Die Bevölkerung der Diözese Linz begegnete Gall zunächst mit
Skepsis, da er als Josephiner, Aufklärer und Freund der Generalseminare galt. Die
ihm nachgesagte Zugehörigkeit zu den Freimaurern lässt sich quellenmäßig nicht
beweisen.
Gall gewann jedoch durch seine bescheidene Lebensführung, Schlichtheit
und Selbstlosigkeit zusehends größere Anerkennung. In einem von Kaiser Leopold II.
angeforderten Gutachten über die kirchliche Situation wandte sich Gall 1790 nicht nur
gegen abergläubische Praktiken, sondern auch gegen den "Leichtsinn" einer
übertriebenen Aufklärung. Gall erreichte auch die Umwandlung seiner bis dahin in Geld
ausgezahlten Dotation in eine Realdotation. Da er selbst kein Freund der Klöster war,
hatte er dafür einige noch bestehende Abteien vorgeschlagen, aber nicht die Zustimmung
des Kaisers gefunden. 1791 erhielt er die aufgehobenen Benediktinerklöster Garsten und
Gleink sowie das Stift Mondsee.
In die Amtszeit Galls fiel die Gründung der
"Theologisch-praktischen Monatsschrift" (1802), in der er auch selbst mehrere
Beiträge veröffentlichte. Gall förderte besonders den Katechismusunterricht in den
Schulen und Kirchen (vor allem die Christenlehre), die Predigt und die Liturgie. Er
verfasste selbst ein Gebetbuch und ein deutsches Rituale für die Spendung von Taufe und
Krankensalbung. Nach Aufhebung der Generalseminare durch Leopold II. führte Gall
1793-1794 mit großem Engagement die theologischen Studien in Linz wieder ein und
gründete 1806 das Priesterseminar, zu dem er aus eigenen Mitteln viel beisteuerte und das
er in seinem Testament ausgiebig bedachte. Gall starb am 18. Juni 1807 in Linz. Er wurde
im Alten Dom beigesetzt.
Schriften: [J.A. Gall], Vorstellungen der liebreichen
Anstalten und Ordnung Gottes, die Menschen gut und glückselig zu machen (Wien 1778).
[J.A. Gall], Einleitung zum Religionsunterricht in Gesprächen der Mutter mit dem
Kinde (Wien 1779; Köln 1782; Wien 1820). Sonn- und Festtägliche Evangelien der
Dorfgemeinde zu Burgschleinitz unter der Frühmesse vorgetragen, 2 H. (Wien 1782/84).
J.L. Stangl [= J.A. Gall], Sokrates unter den Christen in der Person eines
Dorfpfarrers, 3 Bde. (Wien 1783/84). [J.A. Gall], Anweisung, wie die
Kirchenkatechisationen künftig gehalten werden sollen (Linz 1789). [J.A. Gall],
Anleitung zur Kenntnis und Verehrung Gottes, nebst der Anweisung zur Glückseligkeit nach
dem Leben und der Lehre Jesu (Wien 1793). [J.A. Gall], Anweisung zur
Glückseligkeit nach dem Leben und der Lehre Jesu (Wien 1793; 21794).
[J.A. Gall], Liebreiche Anstalten Gottes, die Menschen gut und glückselig zu machen (Wien
1795). Andachtsübungen, Gebräuche und Ceremonien unserer heiligen katholischen
Kirche recht faßlich und lehrreich erkläret zur Beförderung der wahren Andacht und
Ordnung des Gottesdienstes, 3 Bde. (Wien 1799; bearb. f. Bayern: Straubing 1805; Wien
1811; Augsburg 1824). Kurze Reden bei den kanonischen Kirchenvisitationen gehalten
von weiland dem Hochwürdigsten Bischof in Linz Joseph Anton Gall und nach dessen Tode aus
seinen hinterlassenen Papieren gesammelt und zum Druck befördert (Linz 1808).
Literatur: K. Ritter, Kaiser Joseph II. und seine kirchlichen Reformen
(Regensburg 1867), 199-207 (Wiederabdruck des Gall betreffenden Abschnittes in NAGDL 13,
1999/2000, 97-102). F. Scheibelberger III. M. Hiptmair. R. Hittmair.
H. Ferihumer, Die kirchliche Gliederung des Landes ob der Enns im Zeitalter Kaiser
Josefs II. (Linz 1952). Ders., Kaiser Leopold II. und der Episkopat der Erbländer.
Die Rolle des Linzer Bischofs J.A. Gall, in: Festschrift Karl Eder (Innsbruck 1959)
181/96. H. Hollerweger, Reform des Gottesdienstes. M. Brandl,
Theologen, 75f. R. Zinnhobler J. Ebner (Hg.), Aus den letzten Tagen des
Bischofs Joseph Anton Gall, in: NAGDL 1 (1981/82), 48-53. A. Albinger (Hg.), Die
Briefe des Linzer Bischofs Joseph Anton Gall (= 1807)
an seinen Bruder Johann Baptist Gall (= 1821),
in: NAGDL 1 (1981/82), 86-101; 2 (1982/83), 189-214. A. Langer, Die Herkunft des
Bischofs von Linz Joseph Anton Gall, in: NAGDL 2 (1982/83), 40-57.
H. Hollerweger, in: Zinnhobler, Bischöfe von Linz, 32-57. R. Zinnhobler,
Bischof Gall und die Wiedereinführung der theologischen Studien in Linz, in: MOÖLA 18
(1996), 417-432; Zinnhobler u. Pangerl, Kirchengeschichte in Linz (Reg.).
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