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Joseph Cal. Fließer (1896 1960)
Der begabte und musisch veranlagte Joseph Cal. Fließer (geb. 1896)
fand erst mit Verzögerung den Weg zum Priestertum und die eigentlich unerwartete
Förderung durch seinen Diözesanbischof Gföllner. Fließer und Dr. Franz Ohnmacht
zählten zu den ganz wenigen Vertrauten des Bischofs, der ihre Begabungen schätzte und
Gföllners persönliche (politische) Ausrichtung in pastoraler Hinsicht wesentlich
stützen sollten. Später zählte auch Franz Vieböck dazu, dem er trotz seiner Jugend den
Aufbau des Seelsorgeamtes anvertraute.
In wohl schwerster Zeit in der Geschichte der Linzer Diözese wurde
Fließer Weihbischof (die erbetene Unterstützung durch einen Weihbischof war Gföllner
ein Jahrzehnt vorher noch verwehrt worden) und trug als gewählter Kapitelvikar ab 5. Juni
1941 die volle Verantwortung für die Leitung des Bistums. In Folge der kirchenpolitischen
Situation Österreichs während des NS-Regimes (das österreichische Konkordat von 1933
wurde vom deutschen Staat nicht anerkannt) sowie aufgrund von Spannungen in diözesanen
Gremien wurde Fließer erst am 5. Jahrestag seiner Bischofsweihe zum Diözesanbischof
ernannt (11. Mai 1946). Die (feierliche) Inthronisation wollte er mit der Wiedereröffnung
des 1945 schwer beschädigten Neuen Domes verbinden (6. Oktober 1946).
In der NS-Zeit verstand es Fließer, mögliche Freiräume für die
Aufrechterhaltung der Pastoral auszuloten, durch Errichtung von neuen Seelsorgesprengeln
(geschützte Seelsorgeposten) gelang es, einen Teil des Klerus vor der Einberufung zum
Militärdienst zu bewahren und dem Dienst in der Diözese zu erhalten. Mit Hilfe von
Subregens Josef Häupl und Dr. Franz Zauner konnte er mit den Priestern und Theologen im
Felde Kontakt halten. Große Verdienste im Umgang mit der Gestapo erwarb sich der
Seelsorgeamtsleiter Franz Vieböck, der nie sicher sein konnte, ob er von den Vorsprachen
bzw. Verhören wieder in sein Amt zurückkehren könne.
Aufgrund der bereits sehr hohen Verhaftungsziffern im Klerus sowie
massiver Einschränkungen der Seelsorge (Schulverbot) sah sich Fließer außerstande,
Formen des offenen Widerstandes aktiv zu befürworten. So riet er auch dem Bauern Franz
Jägerstätter ab, den Dienst in der deutschen Wehrmacht (aus religiösen Gründen) zu
verweigern, vor allem auch aus Rücksicht auf seine Familie. Insgesamt sah er bzw. die
Diözesanleitung den Umstand, daß Priester aus pastoraler Unachtsamkeit oder aus anderen
Gründen mit dem Regime in Konflikt kamen, generell als Bedrohung für Priester und
Kirche. Diese pragmatische Haltung ist auch nach Ende des 2. Weltkrieges im Bistum Linz
festzustellen, als sich u. a. überlebende KZ-Häftlinge im Klerus von der Bistumsleitung
ein größeres Maß an Anerkennung erwarteten, als sie erhalten hatten.
Die volksliturgische Bewegung erlebte unter Fließer in der Diözese
eine Blüte und Vorbildwirkung für andere Bistümer. In vorkonziliarer Zeit schufen
Joseph und vor allem Hermann Kronsteiner die volksnahen Weisen für eine zeitgemäße
Liturgie. Durch das Zweite Vatikanische Konzil wurden bei der Erneuerung der Liturgie
besonders diese Intentionen aufgegriffen.
Bereits 1939 hatte Fließer die Herausgabe des populären
Diözesangebetbuches "Vater unser" besorgt, in der österreichischen
Bischofskonferenz war er Referent für Liturgie. Die vorher auf kirchlicher Vereinsbasis
agierende Caritas wandelte er bewußt in eine Diözesancaritas um (1946).
Für die Mitwirkung beim kirchlichen und gesellschaftlichen
Wiederaufbau war Fließer nur wenig Zeit gegönnt. Die Belastungen seiner nicht sehr
starken Gesundheit hatten bereits 1948 Grenzen gesetzt, die er allerdings für
überwindlich hielt.
Dennoch wurde nicht mit der gewünschten Hilfe in Form eines
Weihbischofs entsprochen, sondern bereits 1949 die Amtsnachfolge geregelt, eine Form, die
der Apostolische Nuntius favorisierte.
Fließer zog aus seinem medizinischen Status 1955 die Konsequenzen und
legte sein Bischofsamt zurück. Er verstarb nach langem Siechtum am 12. Juni 1960.
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