|
<- zurück
zu den Biografien
Josef Birgmann
(1871-1962) Ehrendomherr der Diözese Linz
* 2. 9. 1871 Auerbach
+ 4. 2. 1962 Hochburg
Volksschule in Auerbach bis 1882
Gymnasium in Linz-Freinberg 1882-1890
Theologiestudium in Linz 1890-1894
Priesterweihe am 29. 7. 1894, Linz
29. Juli 1894 - 3. Oktober 1898 Kooperator in Grein
3. Oktober 1898 - 27. November 1902 Kooperator in Perg, davon
mehrere Monate Provisor (20. Jänner 1900 - 26. Juni 1900)
28. November 1902 - 29. Oktober 1914 Pfarrer in Scharten
30. Oktober 1914 - 16. April 1928 Pfarrer in Weyer
6. Mai 1923 - 16. April 1928 Dechant des Dekanates Weyer
16. April 1928 - 1. März 1943 Stadtpfarrer in Wels
16. April 1928 - 18. Juni 1943 Dechant des Dekanates Wels
seit 13. Februar 1934 - 1937 Kreisdechant des Traunkreises
21. Jänner 1943 - 31. Dezember 1945 Provisor des Baron'schen
Benefiziums in Wels
Josef Birgmann wurde am 2. September 1871 auf dem Lechnergut
in Oberkling, Gemeinde Auerbach, als der älteste von sechs
Söhnen des Kleinlandwirts Georg Birgmann und seiner Frau Anna
geboren. Im Elternhaus herrschte eine gute katholische Atmosphäre.
Ab 1882 war Birgmann Zögling des von den Jesuiten geleiteten
Knabenseminars auf dem Freinberg in Linz.
Nach der Matura (1890) am Staatsgymnasium in Linz, dem Theologiestudium
in Linz (1890-1894) und der Priesterweihe hatte er zwei Kooperatorenposten
inne (Grein 1894-1898, Perg 1898-1902). 1898 legte er die
Pfarrkonkursprüfung ab, 1902 wurde er Pfarrer von Scharten
und 1914 von Weyer (bis 1928). Hier wurde er am 15. November
1914 in sein Amt eingeführt. Während des Ersten Weltkrieges
hatte die Pfarre Weyer 88 Kriegsopfer zu beklagen. Die üblichen
Ablieferungen von Glocken und Orgelpfeifen an die Heeresverwaltung
blieben auch Weyer nicht erspart. Nach dem Krieg waren dann
die entsprechenden Neuanschaffungen erforderlich. Zu den freudigen
Ereignissen zählten zwei Primizen (Ferdinand Griesrigl 1917;
Leopold Grießer 1918). Auseinandersetzungen mit den Sozialisten,
die in Weyer stark vertreten waren, fanden u.a. ihren Ausdruck
darin, daß anläßlich eines Besuches von Diözesanbischof Dr.
Johannes M. Gföllner am 30. Mai 1921 gegen 10 Uhr abends "sozialdemokratische
Sänger um den Pfarrhof" marschierten und "das Lied
der Arbeit und einige andere Trutzlieder" sangen (Pfarrchronik).
Als im Sommer d.J. Neuwahlen nötig wurden, weil die Großdeutschen
und Christlichsozialen in der Marktgemeinde ihre Mandate niedergelegt
hatten, gelang es den als "Wirtschaftspartei" gemeinsam
kandidierenden Großdeutschen und Christlichsozialen, die absolute
Mehrheit zu erringen. Der sozialdemokratische Bürgermeister
wurde abgelöst. Das wurde auch als Reaktion auf die Ereignisse
im Mai verstanden.
Am 6. Mai 1923 wurde Birgmann zum Dechant des Dekanates Weyer
bestellt.
1925 hatte Pfarrer Birgmann das elektrische Licht in der Pfarrkirche
einleiten lassen, 1926 ließ er die Marktkapelle renovieren.
Da Birgmann die Seelsorge in Weyer wegen der weiten Wege (zur
Pfarrkirche, zu den Kranken) mit zunehmendem Alter immer beschwerlicher
wurde, bewarb er sich am 29. Jänner 1928 um die freigewordene
Stadtpfarre Wels, auf die er am 16. April 1928 investiert
wurde. Am 22. April 1928 hielt er seinen Einzug in Wels, wo
er herzlich aufgenommen wurde. Seinen Aufgaben kam er gewissenhaft
nach, doch ging er keine neuen Wege. Den nationalsozialistischen
Machthabern gegenüber verhielt sich Birgmann zurückhaltend.
Da 1942 der Gesundheitszustand Birgmanns nicht mehr zufriedenstellend
war - er litt an schmerzhaften Magenbeschwerden - erbat er
sich am 13. März 1942 einen "Administrator in spiritualibus".
Hierzu wurde Kooperator Alois Dobretsberger ernannt.
Am 24. Dezember 1942 ernannte Bischof Josephus C. Fließer
Birgmann zum Ehrenkanonikus, womit er sein bisheriges eifriges
Wirken in der Pfarrseelsorge anerkennen wollte. Die feierliche
Überreichung der Insignien fand am 18. Jänner 1943 statt.
Mit 1. März 1943 trat Birgmann in den dauernden Ruhestand,
war jedoch bereit, die Provisur des vakanten Baron'schen Benefiziums
in Wels zu übernehmen.
Am 18. Juni 1943 legte Birgmann das Amt des Dechants zurück.
Am 13. April 1945 übersiedelte er in seine ehemalige Pfarre
Scharten, da das Benefiziatenhaus in Wels wegen schwerer baulicher
Schäden nicht mehr bewohnbar war. Ab 10. Dezember 1945 wohnte
er dann bei seinem Neffen Josef Birgmann, Pfarrer in Hochburg.
Von seinen Verpflichtungen als Provisor des Baron'schen Benefiziums
wurde er entbunden.
Birgmann starb in Hochburg am 4. Februar 1962 um 14.30 Uhr.
Er stand im 91. Lebensjahr und im 68. Jahre seines Priestertums.
Am 8. Februar d.J. wurde er in Hochburg beerdigt.
Birgmann war weder ein großer Bauherr noch ein großer Redner.
Er war auch kein Mann neuer Ideen. Seine Leistung ist eher
auf dem Gebiet der gewissenhaften und stillen Seelsorgetätigkeit
zu suchen. Er war bescheiden und liebenswürdig, war ein beliebter
Beichtvater und besuchte fleißig die Kranken und Sterbenden.
Auch war er ein eifriger Beter.
Sein stilles Wirken wurde durch mehrere Auszeichnungen gewürdigt.
Auszeichnungen:
Geistlicher Rat (1. 4. 1912); Konsistorialrat (29. 3.
1934); Ehrenkanonikus (18. 1. 1943).
QUELLE:
Die Linzer Ehrendomherren, in: Neues Archiv für die
Geschichte der Diözese Linz 6 (1989/1990) (mit weiterführenden Literaturangaben)
|